Archiv der Kategorie: Bahn

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Von Deichen, Dünen & Weichen: Dänische Nordsee per Rad

Kaum ein anderer Fahrradfernweg ist so reich an Eindrücken wie der Nordseeküsten-Radweg in Dänemark. Die Vestkystruten ist eine Erzählung über den Menschen und das Leben am Meer. Von Fischerdörfern, wo die Zeit stehengeblieben scheint bis zum Surfer Hot Spot Cold Hawaii. Eine 560 km lange Geschichte von Deichen, Dünen, Draisinen und einer besonderen Bahn. Weiterlesen

Das Abenteuer Dänischer Nordseeküstenradweg beginnt für Zugreisende zumeist in Niebüll. Dort, wo die Autozüge über den Damm auf die Insel Sylt starten, starten auch die Arriva-Züge an die Dänische Nordsee. Nicht immer ganz leicht ist es, eine Fahrkarte zu einen der Stationen, von denen aus der Nordseeküsten-Radweg gestartet werden kann, online zu buchen, teils hilft leider nur der Fahrkartenautomat. Dafür besteht, ganz anders als in Deutschland, überall WLAN Anschluss, die Züge verkehren pünktlich und das Rad geht ab 09:00 Uhr gratis mit.

Züge in Dänemark sind oft nur bis zum nächstgrößeren Ort ausgeschrieben, auch wenn Sie darüber hinaus weiterverkehren. Der Zug von Niebüll verkehrt zunächst bis Tønder (von hier aus sind es nur noch etwa 10 km bis zum südlichen Ende des Dänischen Nordseeküsten-Radwegs). Meist verkehrt der Zug aber noch weiter, so kann man auch bis ins mittelalterliche Ribe oder nach Nørre Nebel weiterfahren und weiter nördlich in den Nordseeküstenradweg einsteigen.

Tag 1 Nørre Nebel – Søndervig

daenemark_story_001Letzter Halt Nørre Nebel. Wer mag, kann von hier das Abenteuer erleben, die letzten etwa 10 Kilometer bis zur Küste mit der Draisine zurückzulegen. Kommen einem hier andere Fahrer entgegen, muss das lustige Gefährt von den Schienen gehoben werden, um die Entgegenkommenden vorbei zu lassen. Eine sehr spaßige Angelegenheit! Alternativ gibt es auch einen Radweg, für alle die es eilig haben.

An rostigen Schienen wächst lila Heidekraut, die Kiefern recken sich in den blauem Himmel. An Weihern stehen Wildpferde. Am schönen Strand von Nymindegab erklimme ich den Deich und erblicke erstmals die raue Nordsee, die mich die kommenden drei Tage begleiten wird.

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Bei Nymindegab (Foto: Visit Denmark / Niclas Jessen)

Gleich danach beginnt  Holmsland Klit, eine bezaubernde Nehrung, die den Ringkøbing Fjord von der Nordsee trennt. Sie ist etwa 30 km lang und bis zu 2 Kilometer breit. Hinterm Deich sind hübsche Ferienhäuschen mit Reetdächern verstreut. Durch diese Idylle führt der Radweg. Am Ende das kleine Örtchen Søndervig mit Campingplatz: Ziel meiner 1. Etappe auf dem Nordseeküstenradweg.

Tag 2: Søndervig – Stenbjerg

Das Ziel meiner Etappe am Tag 2 ist über 100 Kilometer entfernt. Morgens holt mich Mette ab, um mich etwa 40 km mitzunehmen. So spare ich mir einen kurzen Abschnitt am Nissum Fjord, wo die Vestkystruten auf der Straße verläuft.  Wir fahren zur eindrucksvollen Kirche von Trans, die an einer Klippe direkt an der Nordsee mit Blick über die raue See liegt. Einst lag die Kirche in einem Dorf, aber dem Meer fielen viele Bewohner zum Opfer. Ein wunderschöner einsamer Ort zum Innehalten. Hier setze ich meinen Weg auf dem Vestkystruten-Radweg entspannt fort. P.S. Wer den Nordseeküstenradweg am Nissum Fjord abkürzen möchte, kann auch auf Dänemarks ältestem Radweg von 1922 etwa 10 km bis Ringkøbing radeln, die Bahn bis Vemb nehmen, in die nostalgische Lemvig Bahn steigen und diese bis Ramme fahren, nur 6 km von Trans Kirche.

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Trans Kirche oder auch der darauffolgende Leuchtturm von Bovbjerg von 1877 sind wunderschöne Orte, eine Etappe am Nordseeküstenradweg zu starten. Die grünen Wiesen, der Blick auf das weite Meer auf der Anhöhe sind geradezu malerisch schön.  Im Leuchtturm, der auch heute immer noch schön hell und warm leuchtet, befindet sich ein schönes Café mit lokalen westjütländischen Produkten.

Vom Leuchtturm kann man ein paar Kilometer entspannt bergab rollen in den Ort Ferring. Aber Was wäre ein Nordseeküstenradweg, wenn er nicht wenigstens auch ein Stück auf dem Deich verläuft. Dieses Vergnügen hat man auf dem folgenden Abschnitt, der zwar etwas sandig, aber trotz aller Herausforderungen äußerst spaßig ist, am Ende mit einer kurzen Schiebepassage.

daenemark_galerie_01Selten ist man allein, und man hilft sich. Auch Familien mit Kindern, mit Hundeanhänger und allem möglichen sind unterwegs. Daher muss keiner Angst haben, steckenzubleiben. Vorsicht ist bei der Fahrt im Sand geboten. Von der Natur, der Pflanzen- und Vogelvielfalt zählt die Fahrt bis Thyboron zu den spannendsten der Strecke. Tafeln informieren über Kampfläufer und Alpenstrandläufer.

Bei Vejlby wird ein Bahnhof mit dem lustigen Namen  „Victoria Street Station“ passiert. Im schönen Vrist, das ebenso an der Lemvigbahn liegt, befindet sich ein Tante Emma Laden mit allem, was der Nordseeradler braucht, von frischen Äpfeln bis zu Badeschlappen und  mehr. Öfters sind in den Dörfern kleine Schaukästen mit Produkten der Bauern wie Gemüse, frisches Obst und Marmeladen zu finden. Einfach die entsprechenden Münzen hinterlassen.

daenemark_galerie_06In Thyboron, wo die Fähre nach Agger ablegt,  sollte jeder das Schneckenhaus (Sneglehuset) besuchen. Ein unglaubliches Haus: Millionen von Muschel- und Schneckenschalen machen sofort mächtig Eindruck. Innendrin ist die größte Schneckensammlung Dänemarks mit Exemplaren aus aller Welt versteckt. Die weltgrößte Muschel und die weltgrößte Schnecke zählen zu den faszinierenden Exponaten.

Zu jeder vollen Stunde legt die Fähre von Thyboron nach Agger über den Limfjord ab. Nach der Überfahrt fährt man auf dem Radweg links von der Straße bis kurz vor Agger, wo linksab der Nordseeküstenradweg weiterführt. Es lohnt sich ein Nordseebad am Strand von Agger mit behindertengerechter Rampe den Deich hinauf, wo man auch mit dem Rad rauffahren kann.

daenemark_story_01dUnberührte Dünenheiden und Wälder voller moosbewachsener Bäume: Das kennzeichnet die Landschaft im Nationalpark Thy, Dänemarks ältestem Nationalpark nördlich von Agger. Zurecht bewirbt das Königreich den Park als „größte Wildnis Dänemarks.“ Der Park ist auch größter Nationalpark des Lands. Hier sind sowohl viele seltene Brutvögel als auch Rotwild und Kraniche zu bewundern.

Der Park umfasst riesige 24.370 ha und erstreckt sich in einer Breite von bis zu 12 km von Agger Tange im Süden bis zum Nordseehafen Hanstholm im Norden. Beliebt ist hier auch das Reiten, aber nur selten führt ein Reitweg auf dem Norseeküstenradweg durch den Nationalpark.

daenemark_story_003Am Ende einer langen Tagestour erreiche ich schließlich Stenbjerg. Der Gasthof Stenbjerg Kro, mein heutiges Etappenziel,  erlangte im Jahr 1790 erstmals königliche Privilegien. Zwar ist das ursprüngliche Gebäude nicht mehr erhalten, aber der  Gasthofbetrieb läuft weiter. Das Restaurant kreiert köstliche Nationalpark Menus mit regionalen Spezialitäten und hat eine ausgezeichnete Weinauswahl.

Tag 3 Stenbjerg-Thysted

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Der Nordseeküstenradweg passiert alte und neue Häfen. Auch Fischerei wie anno dazumal erwartet Radurlauber:
In den kleinen Fischerdörfern Vorupør und Stenbjerg Landingsplads sind heute immer noch Fischer zu erleben, die nach erledigter Arbeit die Boote an Land auf den Strand schieben. Dennoch kommen sie nicht mit den Surf-Profis in Konflikt, die hier im windigen  „Cold Hawaii“ ihr Revier haben. Das wahre Dorado für Surfer ist Klitmøller. Die besten Fischbrötchen gibt es im urigen Fischerdörfchen Vorupør. Im krassen Gegensatz hierzu steht der große, moderne Industriehafen in Hanstholm: Hier legen die großen Fischkutter und die Fähren z.B. nach den Färöer-Inseln und Island ab.

Wer nur den südlichen Teil des Nordseeküstenradwegs radeln möchte, kann von Hanstholm über Wald und Wiesen nach Thisted radeln, wo sich die Möglichkeit der Zugrückreise anbietet. Bis zum Abschluss des Dänischen Nordseeküstenradwegs sind es etwa 200 weitere Kilometer. Vom Zielort Skagen im hohen Norden des Königreichs lässt sich wiederum per Bahn abreisen.
Aber diesen Teil des Nordseeküstenradwegs wollen wir ein anderes Mal in Angrifff nehmen.

daenemark_story_04Der letzte ganze Urlaubstag vor meiner Abreise in Thisted wird mit einem überwältigenden Fischgenuss gekrönt. Das Restaurant „Fiskehuset“ ist in ganz Dänemark bekannt geworden und lockt bei malerischer Aussicht über den Hafen und die Boote mit einem schier endlosen Universum von Meeresköstlichkeiten: Von Haus zubereitete Fische, lecker geräucherte Fische aus eigener Räucherstube und viele weitere Fischspezialitäten, dazu beste Weine und sogar Nationalpark-Bier aus der Brauerei Thisted. Eine dänische Spezialität sind marinierte Heringe, die Fiskehuset selbst in einer besonders guten Qualität und mit einer süß/sauren Marinade zubereitet. (Vorreservierung zu empfehlen).

Tag 4: Humlum-Lemvig

Eine reizvolle Landschaft erstreckt sich am Limfjord zwischen Stroer und Lemvig. Am Tag vier fahre ich ein Stück auf der Limfjordsruten, der Nationalen Fahrradroute Nr. 12. Von Thisted nehme ich den Zug Richtung Struer bis zum Halt Humlum wo ich auf die Route 12 einsteige.

daenemark_story_01eNach ein paar Kilometern auf verkehrsreicher Straße biege ich nach links ab und erklimme nicht ganz unbeachtliche Höhenmeter in der idyllischen Landschaft, die etwas ans Ällgäu erinnert. Weiter fahre ich über Gudum nach Nørre Nissum, wo ich die 565 kreuze und eine traumhafte kleine Straße hoch über  dem Limfjord mit fantastischer Aussicht genieße. Ein Lächeln auf dem Kamm des Fjords.

Malerisch an einer kleinen Bucht gelegen und in grüne Hügel eingebettet, erreiche ich Lemvig. Samt eingebauten Panoramanebenstrecken bezwinge ich auf 29 Kilometern 275 Höhenmeter. Die herrliche Aussicht aufs Meer, die steile Küste zum Hafen, die sogar eine Bergbahn erforderlich machte, all das sind Dinge, die der Laie von Dänemark nun nicht unbedingt erwartet hätte. Die Spezialität der Stadt in den guten Restaurants sind fangfrische Krebse. Den Bahnhof von Lemvig erreicht man über eine steile Straße, die speziell Mountainbikes empfohlen wird. Dafür hat man dort das Vergnügen, auf eine der schönsten Bahnen Dänemarks zu stoßen.

daenemark_galerie_10bDie Lemvig Bahn, kurz VLTJ (Vemb-Lemvig-Thyborøn-Jernbane) , ist Dänemarks längste Privatbahn auf einer Strecke von 59,5 km. Eingleisig und nicht elektrifiziert, wird mit nostalgischer Garnitur gefahren, die an die 70er Jahre und den Uerdinger Schienenbus erinnert. Zwischen Lemvig und Harboøre fährt die Bahn beim Nordseeküstenradweg am Rand der Dünen mitten durch die schöne Natur.

Hin und wieder macht die Runde, dass in Dänemark die Lebenshaltungskosten teuer seien. Dennoch landet das Land immer wieder ganz oben als eines der glücklichsten Länder der Welt. Ein Weg, das Glück in Dänemark zu finden, ist ein Tag mit der Lemvig Bahn entlang den Dünen. Dank einer Familienkarte können Nordseeurlauber mit der ganzen Familie einen ganzen Tag auf Entdeckungsreise auf dem gesamten Schienennetz gehen und dabei die reiche Vogelwelt und die Dünenlandschaft erforschen oder an der „Victoria Street Station“ aussteigen. Das Ticket gilt einen Tag für 2 Erwachsene und 4 Kinder bis 15 Jahre und kostet nur DKR 99,- (ca. 13 EUR).

So glücklich wie das Radfahren und das Bahnfahren in Dänemark macht höchstens noch das Wälzen von Reiseführern und das Planen der nächsten Reise in das „hyggelige“ Königreich. Denn Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass schon das Planen einer Reise eine positive Wirkung auf die Stimmung hat. Der positive Effekt kann bis zu acht Wochen anhalten. Wir haben die besten Tipps zum Urlaub mit Bike und Bahn am Nordseeküstenradweg gesammelt, sodass die Planung leicht und das Budget geschont wird. Bis zur nächsten Dänemarkreise!

daenemark_wide_07INFO: Dänischer Nordseeküstenradweg

Anreise

Der Nordseeküstenradweg (dänish: Vestkystruten) führt gut markiert über 560 Kilometer von Rudbøl an der deutschen Grenze nach Skagen am nördlichsten Zipfel Dänemarks.

Empfehlenswerte An- und Abreisemöglichkeiten mit Bike & Bahn kombiniert sind Rudbøl
(10 km von Tønder ), Ribe, Esberg, Vejers Strand (12 km von Oksbøl), Nymindegab (8 km von Nørre Nebel, Draisinenverkehr), Søndervig (12 km von Ringkøbing), Trans Kirke (6 km von Ramme an der Lemvig Bahn),  Thyborøn (Endstation Lemvig Bahn), Hirtshals, Skagen.

Bei Anreise mit Regionalzügen ab Niebüll empfiehlt sich ein Arriva One Day Tagesticket zu buchen, bei Anreise zu den nördlich Ein- oder Ausstiegspunkten Hirtshals oder Skagen die Buchung des Sparpreis Europa Dänemark ab 29,90 EUR (zzgl. Internationaler Fahrradkarte).

Unterwegs

Bike

Circa 70 % des Nordseeküsten-Radwegs in Dänemark verläuft auf Asphalt, doch gibt es auch lange Strecken mit Sand und Kies. Daher ist eine solide Bereifung dringend zu empfehlen .

Bahn

Bahnreisen in Dänemark ist sagenhaft günstig mit ein wenig Geduld es richtig zu organisieren. Wer bei Arriva versucht, online ein Bahnticket aus Thisted nach Niebüll zu lösen, bekommt die Auskunft, dass man das Ticket am Automat lösen muss. Ein Trick ist allerdings, gleich ein Arriva Tagesticket zu lösen, das in allen Arriva Zügen gültig ist. Wer dieses tut, der kann bis zu 35 Euro gegenüber der Online-Buchung mit der Deutschen Bahn (wo die Buchung sowieso nicht zu jeder Station funktioniert) sparen und reist ab 149 DKK (ca. 20 Euro) rund 300 Kilometer. Ein Arriva Fahrrad Tagesticket kostet 25 Dänische Kronen (3,30 EUR). Vor Anreise sollte erkundigt werden, ob zur gegebenen Tageszeit Fahrradmitnahme auf der jeweiligen Strecke möglich ist.

Nützliche Links

daenemark_story_05Visit Denmark
www.visitdenmark.de

Dänischer Nordseeküstenradweg
www,nordseeradweg.dk

Süddänische Nordsee
nordsee.sydvestjylland.com

Visit Nordvestjylland (Lemvig, Thyboron)
www.visitnordvestjylland.de

Nationalpark Thy
de.nationalparkthy.dk

Søndervig Camping
www.soendervigcamping.dk

Stenbjerg Kro
stenbjerg-kro.dk

Arriva (Regionalzüge ab Niebüll)
www.arriva.dk

Reiseplanung für ganz Dänemark
www.rejseplanen.dk

Lemvig Bahn (Vemb-Lemvig-Thyborøn)
www.mjba.dk/lemvigbanen.html

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Linksab nach Lessinia: Auf in die wilden Veroneser Berge

Wenn in Rovereto Radler aus dem Zug steigen, dann meistens, um die letzten Kilometer zum Gardasee hinüberzustrampeln, manchmal auch, um in einen Zug ins Valsugana umzusteigen. Aber wer hat schon einmal etwas von Lessinia gehört? Dabei ist es absolut lohnenswert, die wilden Veroneser Berge und den Naturpark Lessinia mit dem Rad zu erklimmen und entdecken. Danach lohnt es sich, die Tour in den Weinregionen Valpolicella und Soave ausklingen zu lassen. Weiterlesen

Kaum einer Handvoll Touren in Lessinia stehen in einschlägigen Foren zumeist gleich hunderte Touren am Gardasee entgegen. Zugegeben, wer auf dem MTB noch nie Tremalzo gefahren ist, für den ist es sicher reizvoller, erst einmal den Gardasee auf den Bike zu entdecken. Aber gleich danach folgt Lessinia, diese eigentümlich wilde Landschaft im Norden Veronas.

Weg vom Trubel
Wer jahrein, jahraus Riva als Revier wählt, und einmal weg von all dem Trubel will, dem sei der Naturpark Lessinia in den Voralpen nördlich von Verona einmal ganz besonders ans Herz gelegt. Nur wenige Stationen nach Rovereto folgt in dem Regionalzug nach Verona das kleine Örtchen Peri, von wo aus sich eine kleine, aber kehrenreiche Straße (SP57) auf dasbezaubernde Hochplateau von Lessinia windet. Auf nur sechs Kilometern sind knapp 800 Höhenmeter zu überwinden, bevor im Örtchen Fosse endlich das Hochplateau der Lessinia erklommen wird. Völlig dehydriert mit reichlich Gepäck für fünf Tage das erstbeste Lebensmittelgeschäft gestürmt und etwas Energie getankt. Noch mal 400 sind es bis nach Erbezzo, dem höchstgelegenen Ort der Provinz Verona (1.118 m.ü.M.).

signal-2843078_1920Terrasse mit Traumblick
Alles, was der müde und durstige Radler hier braucht, gibt es im „Al Terrazzo“: Restaurant, Bar, Pizzeria, gepflegte Zimmer mit Dusche und sogar frisches Fohrenburger vom Fass aus Vorarlberg, das ich hier nicht erwartet hätte. Dieses genießt man auf der herrlichen Sonnenterrassse mit wunderschönem Blick in die benachbarten Berge Lessinias.

Erbezzo zählt zu den 13 Gemeinden, einer früheren deutschen Sprachinsel in Lessinia zwischen der Etsch und dem Agno in der Provinz Verona. Das einst gesprochene „Zimbrische“ ist heute gänzlich ausgestorben. Das zimbrische Kulturerbe wird aber noch gepflegt, wie beim „Tzimbar Race“, einem Triathlon aus 10 km Laufen, 15 km Mountain Bike und Holzstämmen sägen.


„Lessinia Legend“

10 km weiter liegt Bosco Chiesanuova, dies heißt eigentlich „Neuenkirchen“. Hier findet immer Ende Juni ein MTB Rennen der Superlative statt. „Bist Du bereit, in die Geschichte einzugehen und zur Legende zu werden?“ wirbt Lessinia Legend, der wohl härteste Mountainbike Marathon Italiens.

Zwischen 55 und 100 km und zwischen 1740 und 3610 Höhenmeter werden bezwungen. Bis zu 1000 Biker überwinden die Distanzen. Laut Red Bull Europas härtestes MTB Rennen. Hier nimmt auch die MTB-Elite teil, aber jeder der möchte, kann seine Heldenhaftigkeit frei entfalten. Eine Herausforderung in Landschaften verkannter Schönheit, eingebettet in den venetischen Voralpen östlich des Gardasees und zwischen den Provinzen von Trient, Verona und Vicenza.

20180624_111211Zur Entspannung nach den technisch anspruchsvollen Trails in den Höhenzügen des Lessinia Naturparks lohnt es sich anschließend, die Nachbarregionen kennenzulernen und die Radtour nach Verona, Soave oder Vicenza fortzusetzen. Dabei geht es fast ständig sanft bergab. Wer die richtige Route wählt, kann es im wildromantischen Tal des Torrente Squaranto bis kurz vor Verona fast ohne jeden Verkehr richtig schön rollen lassen. In Montorio trifft man auf große und herrschaftliche Weingüter.Es lohnt sich, die Fahrt hier Richtung Soave und Vicenza fortzusetzen. Über eine anstrengende Anhöhe wird San Martino di Buon Albergo bei Marcellise im Weinbaugebiet des Valpolicella erreicht. Hier sollte unbedingt ein Zwischenstopp in der Locanda Marcellise mit ausgezeichneter Küche und köstlichem Birra Lessinia eingelegt werden, bevor die Tour weitergeht.

 

Foto: Pinotshop / Creative Commons

Weiter geht die Fahrt auf Nebenstraßen nach Soave in das Anbaugebiet berühmter Weißweine. Bei ausreichender Zeit lohnt sich der Besuch einer der vielen Weingüter in der Region. Das mittelalterliche Soave ist von einer Wehrmauer umgeben, die von der Burg hinabführend errichtet wurde. Der gigantische Verteidigungswall ist umgeben von einem Meer aus Weinreben, aus deren Beeren der berühmte Soave-Wein hergestellt wird. Überall wird der Wein gerne gekostet, gleichzeitig ist das Städtchen auch der touristischste Abschnitt unserer Tour. Bei der Weiterfahrt zum Zielort Vicenza lohnt sich ein Ausflug nach Lonigo, dass ich als Gast beim Couchsurfen näher entdecken und kennenlernen durfte.

 

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Lonigo
liegt etwa 30 Kilometer östlich von Verona und auch ca. 30 Kilometer südwestlich von Vicenza. Genau in der Mitte, ist die Kleinstadt gut für einen Zwischenstopp zwischen  den beiden Orten geeignet. Sehenswert ist hier vor allem die Villa Pisani, die als eine der von Andrea Palladio entworfenen und gebauten Villen zum Weltkulturerbe der Stadt Vicenza und der Villen Andrea Palladios zählt. Einen Besuch ist auch die Chiesa del Santissimo Redentore wert. Das kleine Städtchen hat auch eine hübsche Fußgängerzone, Montags lohnt sich der Besuch auf dem Markt mit frischem Obst und Gemüse, wie es eben nur auf italienischen Märkten anzutreffen ist. Schön ist auch der Park im Herzen des Städtchens.

 

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Das reizvolle Zentrum von Vicenza wird von der lebhaften Piazza dei Signori und der mächtigen Basilika beherrscht. Mit der Villa La Rotonda und der Basilica Palladiana befinden sich zwei Hauptwerke Palladios in Vicenza. 1994 wurde Vicenza als „Stadt des Palladio“ in die Liste des UNESCO-Welterbes eingetragen. Sehenswert ist auch das Teatro Olimpico. In Vicenza besteht Anschluss an internationale Zuglinien aus Deutschland und Österreich in Richtung Venedig. So lässt sich das Fahrrad bequem in den reservierten Zug hinein packen und beim gemütlichen Rattern über die Schienen noch einmal die schöne Fahrradreise Revue passieren.

 

INFO

Praktische Informationen zu dieser ca. 5 tägigen Fahrradtour

  • Start: Peri (bei Rovereto)
  • Ziel: Vicenza
  • Stationen: Erbezzo, Bosco Chiesanuova, San Martino di Buon Albergo, Soave, Lonigo, Val Liona, Vicenza
  • Länge: 118 km | Dauer: 4-5 Tage | Höhenmeter: 2.353 m
  • Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Beste Jahreszeit: Juni-September
  • Praktische Tipps: Tourplanung mit Naviki-App (Basisversion gratis)
  • Ausrüstung: Mountainbike. Trekkingbike
  • Einkehrmöglichkeiten:  Locanda Al Terrazzo (Erbezzo), Locanda Marcellise (San Martino di Buon Albergo)
  • Übernachtung: Locanda Al Terrazzo (Erbezzo), Hotel Frizzolan (Bosco Chiesanuova)
Foto: Links Heilmann Foto Mitte:  Allgäu Tourismus Foto Rechts: Heilmann

Radrunde Allgäu (Teil 1): Fünf Genuss-Hotspots im Süden

Seit fünf Jahren lädt die Radrunde Allgäu auf 450 Kilometern dazu ein, in die malerischen Landschaften, Geschichten  und Orte des lieblichen Alpenvorlands einzutauchen. Wer das Allgäu in all seinen Facetten sportlich und klimaneutral entdecken möchte, erblickt dabei nicht nur weltberühmte Sehenswürdigkeiten, sondern auch idyllische kleine Örter mit schattigen Biergärten, urigen Gasthäusern und deftiger Brotzeit. Das Allgäu hat über 30 Brauereien, die fast alle an der Radrunde liegen und mit Braukunst begeistern. Teil 1:  Fünf Hotspots im Süden. Weiterlesen

Kißlegg: Badeseen und Brauereikunst (Foto: Tourismus Marketing GmbH Baden - Württemberg)

Kißlegg: Badeseen und Brauereikunst (Fotocredit: Tourismus Marketing GmbH Baden – Württemberg)

1 Kißlegg – Badeseen, Barock und Braukultur

Einer der schönsten Orte auf der Radrunde Allgäu ist das in Baden-Württemberg liegende barocke Kleinod Kißlegg .
Es gab einmal eine Zeit, in der es im Allgäu nichts anderes gab als das gewaltige Eis der Gletscher. Der Eiszeit hat das Allgäu vieles seiner heutigen landschaftlichen Schönheit und reizvollen Vielfalt zu verdanken: Die weißen Gipfel der Bergspitzen und das Blau der vielen Seen und Flüsse. Rund um Kißlegg gibt es noch viele natürliche Badeseen, die in der Eiszeit entstanden sind und heute einladen, in heißen Sommern nach schweißtreibenden Radtouren das kühle Nass der Seen zu genießen. Vom eher touristischen Strandbad Obersee über den Metzisweiler Weiher und Argensee bis zum Holzmühleweiher. Ein echter Geheimtipp für Groß und Klein ist der romantische Stockweiher.

 

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„A goldig´s Kißlegger“ ist ein erfrischendes, untergäriges Zwickelbier des noch jungen Kißlegger Kellerbräus. (Foto: HE)

Jeder kennt die Edelweißbrauerei Farny aus Kißlegg, die rund 20 Millionen Flaschen Bier im Jahr produziert, aber eigentlich auch nur für sein Weißbier berühmt ist und dessen Export nicht unbedingt begeistert. Doch seit rund vier Jahren wird im  kleinen Örtchen Kißlegg auch noch an anderer Stelle gebraut: Die Traditionswirtshaft Schlosskeller schenkt seit der Wiedereröffnung „Kißlegger Kellerbier“ aus, in fünf Sorten: Ein Helles, ein Dunkles und ein Weizen sowie ein Bockbier zur Fastenzeit und ein Festbier zur Wiesnzeit. Erfrischend ist vor allem „A Goldig´s Kißlegger“, ein untergäriges Zwickelbier, für das man das Hofgutsbier von Farny gerne stehen lässt. Im Schlosskeller und im angeschlossenen Biergarten gibt es zum köstlichen Bier für Radler eine leckere Brotzeit oder bei großem Hunger auch ein Krustenbraten oder eine Schweinshaxe, bis die Tour auf der Radrunde wieder fortgesetzt wird.

 

Radrunde Allgäu – Etappe nach Kißlegg

Radrunde Allgäu – Etappe Kißlegg – Isny

Infos Kisslegg

Ferienregion Allgäu – Naturseen rund um Kißlegg

Kisslegger Kellerbräu – www.heimatbier.com

Radvergnügen im Westallgäu (Foto: HE)

Radvergnügen im Westallgäu (Foto: HE)

2 Meckatz & Westallgäu – Beim Allgäuer Sonntagsbier

Ein wahrhaft „goldenes Land“ für Bikefreunde, Bier- und Käseliebhaber ist das Westallgäu.  Nicht nur vorzügliche Sennereien sind hier beheimatet, sondern auch die erste Allgäuer Biermarke: Das ausgezeichnete „Meckatzer Weiß Gold“. Um die Brauerei Meckatzer Löwenbräu oder zumindest das Meckatzer Bräustüble zu besichtigen, lohnt es sich, die Radrunde Allgäu in Wangen auf die Westallgäuer Käsestraße zu verlassen, die ohnehin eine Abkürzung ist. Kenner schwören, dass sich die Käsestraße radelnd in ihrer ganzen Schönheit erleben lässt.  Sowohl für Genussradler und Tourenradler als auch für Mountainbiker oft Liebe auf den ersten Blick.  Von Wangen kommend, erreicht man Meckatz kurz vor Heimenkirch.

 

Meckatzer Weiss Gold (Foto: Meckatzer Löwenbräu)

Meckatzer Weiss Gold im Grünen (Foto: Meckatzer Löwenbräu)

Ohne ein „Meckatzer Weiss Gold“ mit einer köstlichen hausgemachten Brotzeit in den historischen Mauern des Meckatzer Bräustübles wäre eine Genusstour auf der Radrunde Allgäu nicht komplett. Noch tiefer in die Geheimnisse der Braukunst und die Unternehmensgeschichte kann man bei einer Brauereibesichtigung eintauchen. Auf dem Rundgang durch Sudhaus und Gärkeller mit Zwickelnbierverkostung lernen Besucher, wie in Meckatz heute noch mit besonderen traditionellen Verfahren Bier gebraut wird. Unter brauereibesichtigung@meckatzer.de werden Anmeldungen entgegengenommen. Auf der Meckatzer Homepage erfährt man aktuelle Termine. Kurz nach Heimenkirch biegt man wieder auf die Radrunde Allgäu ein, die schon kurze Zeit später die nächsten Highlights für Freunde des guten Biergeschmacks bereithält.

 

Infos Westallgäu

Westallgäu – Infos Radtouren

Meckatzer Bräustüble

Meckatzer Löwenbräu

3 Weiler-Simmerberg – Die doppelte Braukunst

Weiler und Simmerberg waren bis Ende der sechziger Jahre eigenständige Gemeinden, und bis heute haben sich hier zwei traditionsreiche eigenständige Brauereien erhalten, die feinstes Bier brauen: Die Post Brauerei Weiler und die Aktienbrauerei Simmerberg.

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Brauereigasthof und Hotel Post in Weiler im Allgäu (Foto: Axel Mauruszat / Creative Commons)

Das Stammhaus der Post Brauerei Weiler ist das Hotel & Gasthof Zur Post in Weiler. Im urigen Bräustüble, das im Sommer auch an Tischen im Freien serviert, gibt es Post-Bier vom Fass.

_CAM00535smallDer wunderschöne Biergarten an der Bräustatt Simmerberg lädt nach gut 3 Kilometern und 160 zurückgelegten Höhenmetern schon zur nächsten genussvollen Rast ein. Hier in „Sepp Holzer´s Taferne“, eine der urigsten Einkehrstuben im Allgäu, lohnt sich auch, einen Blick auf die schönen Kupferkessel der Braumanufaktur Aktienbrauerei Simmerberg zu werfen. Ein Geheimtipp ist der „Simmerberg Rödler“, ein bernsteinfarbenes Kellerbier. Für Radler ist der „Heuhüfer“, ein Biermischgetränk aus Weizenbier, Apfelsaft und Allgäuer Bergwiesenheu, eine interessante Option. Nur wertvollste Bio-Zutaten aus der Region werden verwendet. Ein Genuss sind die hausgemachten Schupfnudeln. Oder wie wäre es mit dem Braumeisterfladen mit Schinken, Bergkäse und Ruccola?

Radrunde Allgäu – Etappe Isny-Immenstadt über Weiler-Simmerberg

Infos Weiler-Simmerberg

Post Brauerei Weiler

Brauereigasthof Hotel zu Post

Braumanufaktur Simmerberg

Gasthof Bräustätt Simmerberg

4 Brauereidorf Rettenberg – Himmlische Vielfalt

Bei gleich drei ausgezeichneten Brauereien haben Kenner und Liebhaber guten Biers  im Allgäuer Brauereidorf Rettenberg die Qual der Wahl. Hier hat das Bierbrauen schon seit vielen Jahrhunderten Tradition. Die Privatbrauerei Zötler entstand  im Jahr 1447 und ist schon seit 21 Generationen in der Hand der Familie Zötler, damit ist sie die älteste Familienbrauerei der Welt. Etwa 15 verschiedene Biere werden heute gebraut, vom Export über zahlreiche Weizen-Variationen bis hin  zu alkoholfreien Varianten, dazu kommen neuerdings auch Craft-Biere und „Sagen-Biere“ besonderer Stilart.

_rettenberg_engelbraeu_detailDie zweite Brauerei in Rettenberg ist Engelbräu, welche im Jahr 1668 gegründet wurde. Auch hier locken etwa 15 Biervarianten vom Allgäuer Brotzeitbier bis zum Doppelbock. Nicht verpasst werden darf ein Besuch im Brauereigasthof Engel. Brauerschnitzel mit Dunkelbiersoße und Kässpatzen, Allgäuer Krautkrapfen mit Röstzwiebel, Bierjus und Salat oder Biergulasch mit Spätzle locken ebenso wie Weißwürste mit Brezeln. Einen weiteren Rekord hält seit 2015 Bernardi Bräu: Das Sudhaus der höchstgelegenen Privatbrauerei Bayerns befindet sich in der umgebauten Seilbahnstation. Am Fuße des Grüntens werden in der jüngsten Brauerei Rettenbergs nach handwerklicher Braukunst allerfeinste Biere gebraut, die sich lohnen, zu probieren.

Radrunde Allgäu – Etappe Immenstadt-Jungholz über das Brauereidorf Rettenberg

Infos Rettenberg

Brauereidorf Rettenberg

Brauereigasthof Engel

Brauereigasthof Adler-Post

5 Nesselwang & Tannheimer Tal – Feines Brauhandwerk_tannheim999

Die Radrunde Allgäu ist auch ohne Nesselwang und ohne das Tannheimer Tal nicht komplett. Das reizvolle Nesselwang ist mit zwei Dritteln Sommergästen eine beliebte Sommerregion.  Wunderschön gelegene Naturbadeseen inmitten duftender Blumenwiesen wie der Grüntensee mit eigener Badebucht für Hunde laden zum Erfrischen und Faulenzen direkt an der Radrunde ein. Weiter geht die Fahrt ins Tannheimer Tal, das manche als schönstes Hochtal der Alpen bezeichnen. Überall an der bezaubernden Strecken tun sich Panoramalogen auf. Nesselwang und Tannheim liegen an einer hübschen Schleife der Radrunde Allgäu, die sich auch als kleine Runde fahren lässt. Beide Orte haben Biergenießern viel zu bieten.

 

_nesselwang_detail01In der Nesselwanger Postbrauerei kredenzen die beiden Brauschwestern Kathrin und Stephanie Meyer raffinierte handwerklich gebraute Biere, weshalb sie sich auch zu Recht Brau-Manufactur Allgäu nennt. Davon zeugt die Vielfalt: Vom beliebten altbayerischen Nesselwanger Dunkel bis zum Gold und Weizen, dazu ist eine Vielzahl von Edel- und Craft-Bieren eine Versuchung.Im Brauerei-Gasthof Hotel Post kommen deftige Gerichte auf den Tisch, gerne mit Bier zubereitet wie das Brauereigulasch mit hausgemachten Spätzle. Zu empfehlen ist die Bierprobe mit vier verschiedenen Bierspezialitäten à 0,1 l sowie Testbogen und sensorischer Bewertung um nur 4,50 Euro. Freitags um 19 Uhr und Samstags um 11 Uhr finden die beliebten Besichtigungen statt, auf denen ein Blick in das Brauereihandwerk geworfen werden kann.

Auch in Tannheim gibt es für Genießer einen Geheimtipp. In einem der ältesten Häuser des Orts hat die Familie Kleiner 2004 eine Privatbrauerei errichtet. „s´Höf Bräuhaus“ braut seither Helles, Dunkles und Weizenbier im Sudkessel. Hier gibt´s nicht nur erfrischende Biere, sondern auch putzige Tiere: Wollschweine, Hochlandrinder und Hühner sind auf dem Hof.

Radrunde Allgäu – Etappe über Nesselwang und Tannheimer Tal

Infos Nesselwang

Sommerurlaub in Nesselwang

Postbrauerei Nesselwang

Infos Tannheimer Tal

Tourismusinformation Tannheimer Tal

s´Höfbräuhaus Privatbrauerei in Tannheim

INFO

Alle Infos zur 450 km langen Radrunde Allgäu gibt es unter www.allgaeu.de/rad oder per Telefon: 083 23/80 25 93 1. Hier sind auch kostenloses Kartenmaterial sowie Tipps zu Unterkünften und Aktivitäten erhältlich. Viele der präsentierten Genuss-Hotspots für Bierliebhaber entlang der Radrunde sind mit der Bahn erreichbar (Kißlegg, Heimenkirch, Nesselwang) und alle bieten Bett & Bike Unterkünfte für den sicheren und bewußten Biergenuss.

Radrunde Allgäu

Brauereien im Allgäu

Bett & Bike Gastgeber

Spannende Zeitreise in Nordholland

_nordholland960headerEin Ausflug mit der Stoomtram ist eine spannende Zeitreise. Die Dampflok pfeift. Der Heizer schaufelt Kohle aufs Feuer. Die Räder singen und der Dampf zischt. Anschließend geht es mit dem Salondampfer über das IJsselmeer. Zauberhaft Reisen hat ein paar Eindrücke gesammelt. Weiterlesen

Unweit von Amsterdam haben wir uns auf eine spannende Rundreise begeben. In Kürze mehr!

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www.stoomtram.nl

 

 

 

 

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Mit der Bahn auf die Bretter (1): Zügig nach Davos

Ist zuhause mal nix los, fahr´n wir zügig nach Davos. Im Klassiker des alpinen Skilaufs der Schweiz ist dieses Motto wörtlich zu nehmen. Schon vor über 80 Jahren wurde eine Standseilbahn auf den Hausberg Parsenn errichtet, die noch heute die spektakuläre Bergwelt erschliesst. Man steigt am Weissfluhjoch (2.662 m) aus, schnallt die Ski und ist fast am Gipfel. Weiterlesen

Schon allein durch das Wort Davos werden Bilder tief verschneiter Pisten wach. Die Parsenn ist die Wiege des Skisports in der Schweiz. 1895 verirrten sich vier englische Touristen mit ihren Skiern unterwegs nach Arosa und landeten in Küblis. Einheimische wiederholten ein Jahr später die Abfahrt von der Weissfluh nach Küblis: Die legendäre Skiabfahrt, eine der längsten der Schweiz, die noch heute viele lockt, war entdeckt. Die Bahnlinie ins Prättigau ist sogar noch ein paar Jahre älter, schon 1890 fuhr sie von Landquart über Küblis nach Davos.

Foto: RhB

Rhätische Bahn im Prättigau Foto: RhB

Die Reise über Landquart nach Davos führt auch heute über Küblis. Ein Blick aus dem Auto oder Zugfenster offenbart , ob Frau Holle schon Schnee ins Tal brachte, oder ob der Winter bisher nur in den Bergen Einzug hielt. Liegt der Schnee schon bei der Anfahrt an den Gleisen, ist die legendäre Parsenn-Abfahrt von der Weißfluh nach Küblis vielleicht schon möglich. Im aktuellen Pistenplan ist sie mit der Nummer 56 eingetragen.

 

Im oberen Abschnitt der legendären Parsenn (Foto: Heilmann)

Im oberen Abschnitt der legendären Parsenn

Die wichtigsten Daten zur Parsenn-Abfahrt: Über 2.000 Höhenmeter, 12 Pistenkilometer, Start auf 2.843 Metern auf dem Weißfluhgipfel im Skigebiet Parsenn, Ziel in Küblis auf 814 Metern. 2011 wurde die Legende nach vielen Jahren das erste Mal wieder präpariert. Die Rückfahrt von Küblis nach Davos ist in Wintersportbekleidung mit Skipass in der Rhätischen Bahn gratis.

 

Wer zur Vor- oder Nachsaison nach Davos-Klosters reist, muss zwar meist auf das Highlight der Parsenn-Abfahrt verzichten, kommt aber in den Genuss vergünstigter Skipässen oder sogar von Gratis-Skipässen für Hotelgäste. Das Klischee, dass die Schweiz generell teurer ist, stimmt nicht immer. Für 44 CHF darf ich um halbzwölf ins Skigebiet Parsenn einsteigen. Um diese Zeit wäre es am Arlberg sogar teurer, und die Standseilbahn fährt unheimlich zügig ins weisse Glück. Kaum zu glauben, dass die Wurzeln der Bahn in den 30er Jahren liegen.

Oberer Abschnitt der Parsennbahn (Foto: Heilmann)

Oberer Abschnitt der Parsennbahn (Foto: Heilmann)

Die neue Parsennbahn ist außerordentlich flink. An der Mittelstation am Höhenweg startet die 2. Sektion der Bahn, welche sich der Piste entlang aufs Weissfluhjoch schlängelt. Wer sich die rote Piste 4 hinabschwingt, hat an der Mittelstation die Wahl, in den Sessellift „Rapid“ oder in die Bahn einzusteigen. Spannend ist, dass die Bahn bei gleichzeitigem Start den Lift sogar überholt.

 

Bergrestaurants sorgen für das leibliche Wohl und laden zum Sonnentanken auf den Terrassen ein. Wer es etwas sparsamer haben möchte: Sich an der Piste selbst zu verpflegen, ist nirgendwo schöner, als am Skilift Hauptertäli auf Parsenn, wo sich auf klappbaren Bänken das ganze Alpenpanorama der Bündner Alpen wie auf einer Leinwand präsentiert.

Das Skigebiet Parsenn ist von Davos und Klosters aus zugänglich und ist das grösste der fünf Skigebiete in Davos Klosters, zu denen zudem Madrisa, Pischa, Jakobshorn und Rinerhorn zählen. Seine breiten, langläufigen Pisten machen Parsenn neben Carvern auch bei Snowboardern sehr beliebt, die gerne kleine Schanzen errichten und in der Schneebar Totalp chillen. Ein Geheimtipp ist der Morning Flow Ride: Dabei besteht Anfang April die einmalige Chance, die Parsenn Abfahrt mit einem Mountainbike auf Schnee zu befahren.

INFO

Lage
Davos liegt auf 1560 m ü.M. im Bezirk Prättigau des Kantons Graubünden, ca. 1,5 Stunden mit dem Auto von Zürich entfernt. Ausgezeichneter Bahnanschluss mit Bernina Express, Glacier Express und Regionalzügen der Rhätischen Bahn.

Saison
20.11.2015- 10.04.2016

Skigebiet Davos-Klosters
(gesamt / Parsenn)

Höhenlage: 810-2.844 m
Saison: 20.11.2015- 10.04.2016
Pistenkilometer: 320 (102)

Mit der kostenlosen App von Davos Klosters ist man immer schnell informiert, welche Anlagen und Pisten gerade geöffnet sind.

www.davos.ch

Events

Morning Flow Ride
Parsenn-Abfahrt mit dem MTB, 5. Edition
Sa, 02.04.2016
www.morningflowride.ch

Adressen
Destination Davos Klosters
Telefon +41 (0)81 415 21 21
E-Mail: info@davos.ch
www.davos.ch

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Mit Bahn und Bike die Abruzzen entdecken

Schon die Bahnreise in die Abruzzen ist beeindruckend. In einer beeindruckenden Bergkulisse liegt Sulmona, auch als „Siena der Abruzzen“ bezeichnet, wo tolle Mountainbike-Touren starten. Hier gibt es vieles neu zu entdecken – mit ortskundigem Guide macht das doppelt Spaß! Weiterlesen

Noch schöner als mit dem Flieger kommt man mit der Bahn in den Süden, und wer rechtzeitig bucht, erhält mit etwas Glück ein 29,- Euro Ticket mit Nachtzug nach Rom. Hier lässt sich die Anreise in die Abruzzen noch mit einer kleinen Stadtbesichtigung verbinden. Sulmona im Herz der Abruzzen liegt an der Bahnlinie Rom-Pescara und ist in etwa drei Stunden erreichbar, für nur 10,50,- Euro zauberhaft günstig und auf landschaftlich bezaubernder Strecke.

Wer in die Abruzzen reist, sollte sich klar sein, dass sich nur etwa 50 Kilometer von den Stränden Pescaras entfernt ein mächtiges Gebirge erstreckt. Von den ligurischen Alpen bis zur Stiefelspitze wird Italien vom Apennin durchzogen. Seine höchsten Erhebungen hat dieses Gebirge in den Abruzzen, wo der „Gran Sasso“, der „Große Stein“, thront, dessen höchster Gipfel der Corno Grande mit 2.912 Metern ist. Sulmona, die Heimatstadt Ovids und Ausgangspunkt reizvoller Biketouren ins Gebirge, liegt nur auf gut 400 Metern.

Sulmona, Fontana del Vecchio

Sulmona, Fontana del Vecchio

Bezauberndes Sulmona

”Sulmo mihi patria est, gelidis uberrimus undis”, beschrieb Sulmonas berühmtester Sohn, der römische Poet Ovid, seine Heimat. Reich an frischem Quellwasser ist die von mächtigen Bergketten umringte Stadt am Fuße des Majella Gebirges in der Tat. Bei der Ankunft am Bahnhof kann man sich an einem Brunnen am Bahnsteig erstmals mit dem Gebirgswasser aus den Abruzzen erfrischen. In der Stadt stillen weitere Brunnen wie der „Greisenbrunnen“ (Fontana del Vecchio) den Durst. Es lohnt sich, vor dem Aufbruch zu Mountainbike-Touren in die reizvolle Umgebung die Trinkflasche an einem der vielen Brunnen mit Trinkwasserqualität aufzufüllen.

 

Markt auf der Piazza Garibaldi

Markt auf der Piazza Garibaldi

Umringt von der Kulisse hoher Berge, liegt Ovids Heimat in einem weiten, sonnigen Tal. Auf der Piazza Garibaldi, am Rande eines Aquädukts aus dem 13. Jahrhundert gelegen, ist mittwochs und samstags Markttag, auf dem allerlei Spezialitäten aus den Abruzzen (Wurstspezialitäten wie Salsiccia di cinghiale – vom Wildschwein, Salsicce di Fegato nostrane – mit einheimischer Leber), sowie Mozarella aus Sulmona und frisches Obst und Gemüse angeboten werden. Sehenswert sind auch die Porta Napoli, ein gotisches Tor am Südeingang der Stadt, die Kathedrale San Panfilo mit Krypta am Rande einer grünen Parkanlage, der Palazzo dell’Annunziata und Santa Annunziata sowie die Piazza XX Settembre mit seiner schönen Ovid-Statue.

 

Scanno zählt zu Italiens schönsten Dörfern

Scanno auf 1.050 m Meereshöhe

Die abruzzesischen Dörfer

Der Zauber der Abruzzen liegt im Wechselspiel intakter Natur und bezaubernden Bergdörfern. Die alten abruzzesischen Dörfer wurden im Mittelalter geformt. Hoch oben thront eine Burg, darunter gibt es einen Platz, auf dem sich die Menschen versammeln und in den oftmals nur enge Gässchen führen. Hier befindet sich auch die Kirche, welche wie die Santa Maria della Misericordia im Hirtendorf Pacentro oft geradezu riesig ist und, äußerst kunstvoll verziert, von der Frömmigkeit der Bewohner zeugt. Rund um Sulmona befinden sich einige der schönsten Dorfer Italiens: Pacentro, Villalago, Scanno, Pescocostanzo, Pettorano sul Gizio – allesamt wunderschöne Bergdörfer, die mit dem Rad erklommen werden wollen.

 

Die Trinkflaschen mit frischem Quellwasser gefüllt und schnell noch die Klickpedale montiert, geht es auf unsere erste Tour. Kaum haben wir Sulmona in Richtung der Majella verlassen, präsentiert sich die Natur in all ihrer Pracht. Schmale Singletrails sind dicht mit Sträuchern bewachsen, die sich im Frühling in Blütenmeere verwandeln, aber auch Dornen tragen und mühevoll von Radclubs der Region intakt gehalten werden. Erste technische Raffinessen lassen nicht lange auf sich warten. Massimo, der ortskundige Tourguide, kennt sie alle.

Biketour nach Roccacasale

Biketour nach Roccacasale

Einsiedler und Arbeitsbienen

Auf und ab erklimmen wir die ersten Höhenmeter und passieren, hoch oben im Fels, die Einsiedelei Papst Zölestin V. (neben Benedikt XVI. 700 Jahre später bisher der einzige Papst, der aus freiem Willen abdankte). Vorbei an einer alten Arbeitsbiene (Ape), die knatternd am Berg abdankt, erreichen wir Roccacasale mit seiner alten Burgruine. Unterhalb der Burg erfreut uns ein herrlicher Ausblick in die gesamte Hochebene und zum Gran Sasso. Am nächsten Tag erwartet uns ein echtes Highlight in den Abruzzen: Die Gole di Saggitario, eine atemberaubende Schlucht, die herrlichen Bergseen Lago di S. Domenico und Lago di Scanno sowie die Bergdörfer Villalago und Scanno. Ein Traumtag!

 

Alpine Pässe oder Gipfel konnten wir kurz nach Ostern aufgrund des sich hartnäckig haltenden Schnees in den Bergen nicht erkunden, aber der Majella Nationalpark bei Sulmona wartet mit etlichen Gipfeln auf, von denen der Monte Amaro mit 2.793 Metern der höchste ist.

Handgemachte Chitarrine

Chitarrine im Hotel Ovidius

Kulinarische Köstlichkeiten

Nach anstrengenden Biketouren ist es Zeit, die kulinarischen Köstlichkeiten der Abruzzen zu erkunden. Die Küche der Gebirgsregion ist durch einfache, aber schmackhafte Gerichte, häufig mit Schaffleisch, geprägt. Pappardelle mit Salsiccie oder Chitarrine (viereckige Eiernudeln ähnlich Spaghetti) sind typische Gerichte. Fisch wird eher selten serviert. Dazu passen Weine aus der Region, wie der Montepulciano d´Abruzzo, oder der Cerasuolo, ein Rosé, ebenso wie der Trebbiano und der Pecorino, die Weißweine aus der Region. Nicht wieder verlassen kann man Sulmona, ohne Confetti zu probieren, Zuckermandeln in Form von Blumensträußen und mehr.

 

Exklusiv, aber günstig

Auf der Suche nach einer Unterkunft findet man in den Abruzzen und speziell in Sulmona exklusive Hotels, die keine Wünsche offen lassen. Dabei sind die Preise dennoch günstig. So sind im Viersternehotel Santacroce Meeting in Sulmona 2 Nächte im Doppelzimmer (HP) inklusive Frühstück und viergängigem Menu zum Abendessen ab 110 Euro erhältlich. Menus im Restaurant mit typisch regionalen Gerichten sind unter 20 Euro erhältlich.

Biker mit Ausblick in die Sagittario-Schlucht (Foto: Abruzzo Promozione Turismo)

Sagittario-Schlucht (Foto: Abruzzo Promozione Turismo)

MTB-Touren sind unterschiedlich schwierig und lang, und eignen sich sowohl für Einsteiger als auch für Profi-Mountainbiker, die auf der Suche nach anspruchsvollen Herausforderungen und Gebirgspässen sind.  Mountainbiker finden ein noch weitgehend unentdecktes Terrain vor, das sich mit ortskundigen Guides wie von Bikelife aus Pescara entdecken lässt und seine Reize in der spektakulären Landschaft entfaltet.



INFO

Anreise

Umweltfreundlich und günstig mit der Bahn. Bahnanschluss Sulmona an der Strecke Rom-Pescara.
Tipp: Mit City Night Line Spar-Night Ticket über Nacht ab 29 Euro nach Rom, der Anschluss mit Regionalzug nach Sulmona kostet lediglich 10,50 Euro.

Bike-Tour-Tipp

Scanno – Villalago – Anversa degli Abruzzi – Cocullo – Ortoni dei Marsi – Pescaserolli – Opi – Scanno (Länge: 103 km Höhenmeter: 1.003 min. Höhe: 432 max. Höhe: 1.586 m)

Weitere Touren auf cicloturismo.abruzzoturismo.it (Roadbook & GPX) und auf www.gps-tour.info

MTB-Exkursionen

BikeLife, Francavilla al Mare bei Pescara
Regelmäßige MTB-Exkursionen, auch Sulmona, Pettorano sul Gizio, Scanno u.a. im Programm sowie eine Tour im Majella-Nationalpark mit dem Titel „Majellactive“. Ebenso Verleih hochwertiger Mountainbikes, auch 29er Modelle.
www.bikelife.it

Fahrradfachgeschäft, Verleih, Exkursionen

Ezio Due Ruote, Sulmona
www.ezio2ruote.it

Einkehren / Einkaufen

Wochenmarkt Mittwochs und Samstags in Sulmona, Piazza Garibaldi

Confetti Pelino, Via Stazione Introdacqua 55, Sulmona

Übernachten

Hotel-Tipp: Hotel Ovidius (zentral) und Hotel Santacroce Meeting (für Gruppen geeignet)
www.hotelsantacroce.com

Adressen

Abruzzo Promozione Turismo
Corso Vittorio Emanuele II, 301
65122 Pescara, Italy
info@abruzzoturismo.it
www.besuchabruzzo.de