Rund 250 Sportkletterrouten am Achensee

Vom kniffligen Fels ins kühle Nass: Klettern am Achensee

Rund 250 Sportkletterrouten, acht Klettersteige und bis zu 400 Meter hohe Wände: Das Rofan- und Karwendelgebirge am Achensee zieht immer mehr Kletterer an. Sowohl Anfänger als auch Profis finden hier den passenden Fels. Dennoch sind die Kletterrouten noch nicht überlaufen. Zauberhaft Reisen hat die Region unter die Lupe genommen. Nach drei Tagen professionellem Klettertraining können wir diese Region nur empfehlen.

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Erste Übungen im Fels

Erste Übungen im Fels

Übung macht den Meister. „Die Almkuh ist sicher, weil sie pausenlos geht“, erklärt Bergführer Stefan Wierer, der 280 Tage im Jahr im Gebirge ist und schon Berge wie den Alpamayo (5.947 Meter) in Peru und den Ama Dablam (6.812 Meter) im Himalaya bestiegen hat. Seit 1989 ist Stefan Bergführer, im Sommer bietet er Einführungen ins Sportklettern, im Winter bietet er Skitouren an. Am ersten Tag trainieren wir zunächst den sicheren Tritt im groben und steilen Gelände. An einem Naturkletterstein unweit der Bergstation der Rofanseilbahn (1.840 Meter) üben wir erst einmal, auf unsere Füße zu vertrauen und nicht zu sehr die Hände einzusetzen. Eine wichtige Vorübung, damit uns beim Klettern im Fels nicht gleich die Kraft ausgeht. Mit kleinen Tritten und Hüfteinsatz erhöhen wir die Balance.

Nur fünf Minuten entfernt befindet sich unterhalb der  Mauritzalm auch schon unsere erste Übungswand. Vier kurze, etwa acht bis zehn Meter hohe Routen mit den Namen Pippi Langstrumpf, Popeye, Donald Duck und Biene Maja eignen sich für Kinder und Anfänger. Stefan macht sich erst mal ein Bild, wie sicher wir uns beim Klettern in der Wand fühlen.

Klettern bis 5c an der Grubastiege

Klettern bis 5c an der Grubastiege

Die erste seilgesicherte Kletterei im Freien erleben Bernadette, Daniela, Martin, Peter und ich nach etwa zwanzig Minuten an der Grubastiege. Wir klettern an einer schönen, etwa fünfzehn Meter hohen Wand  direkt am aussichtsreichen Wanderweg zur Rofanspitze  (2.259 Meter). In einem schönen, mit Wasserrillen übersäten Fels stehen sieben Routen zur Wahl. Dabei reicht der Schwierigkeitsgrad bis zu 5c (franz. Skala) bei der der Pinocchio Route. Aufregend genug, um mit den ersten Impressionen den Freunden daheim schon mal eine lange Nase zu machen. Ich klettere an der Goofy, während mich Martin mit der Tube am Seil sichert. Bernadette und Daniela üben auf der Snoopy das Absichern am Halbautomaten. Herausfordernd ist auch die Route „Spider Man“, wo wir das Reibungsklettern trainieren.

Ab in die Vertikale

Bei herrlichem Sonnenschein führt uns Stefan am nächsten Tag zum Klettergarten am Bärenkopf. Das aufregende neue Klettergebiet liegt nur etwa zehn Minuten hinter dem ruhig gelegenen Karwendel-Camping in der Lärchenwiese bei Maurach. Ein kleiner Pfad führt nach oben in den Wald. Kurz darauf erblicken wir die Felsen. Steil ragen sie empor und das Gelände ist abschüssig. Vom Schwierigkeitsgrad ist das hier etwa gleich wie gestern, und dennoch wirkt das hier doch etwas gefährlicher als gestern.

Aber dennoch steht heute auch neues im Lehrprogramm: Vom Nachstieg zum Vorstieg heißt das Motto. Unser Bergführer erklärt den feinen Unterschied. Bernadette klemmt sich mit einer Reihe von Expressschlingen und dem Seil bewaffnet in den Fels, während Stefan unten sichert. Es gilt, das Seil über eine Reihe von Zwischensicherungen ganz oben einzuhängen. Wer sich das noch nicht traut, immerhin ist heute erst Tag zwei und wir sind ja noch weitgehend untrainiert, klettert weiter auf Top Rope Basis. Aber auch das ist nicht so ohne.

Sportklettern am Bärenkopf beim Karwendel-Camping

Sportklettern am Bärenkopf beim Karwendel-Camping

Senkrecht steigen die Kalkfelsen empor, teilweise mit Überhängen. Äußerste Aufmerksamkeit und zugleich alle Kraft in den Beinen und Armen sind gefordert. Ob „Johannesbär“ oder „Stoanbeißer“ – jetzt heißt es beißen! Peter hat schon am Vortag alles gegeben und sich die Daumen getaped. „Heute wird ein harter Move gezogen“, kommentiert Stefan die leichten Blessuren und feuert uns an, nicht aufzugeben. Immer hält er eine passende Lebensweisheit bereit: „Mit dem Klettern ist es wie mit einer schönen Frau – man darf nicht zögerlich sein.“ Im oberen Routenabschnitt wird laut gestöhnt und öfters geflucht. „Da ist nichts“, hallt es vom Fels herab. Kurze Zeit später ist dann doch ein Halt entdeckt. Wir ringen mit unseren Kräften. Noch ein Überhang, ein fester Tritt. Geschafft.

 

Klettern im Karwendel

Am nächsten Morgen brechen wir ins Karwendelgebirge auf. Im neuen Klettergebiet Gramai nördlich von Pertisau finden Felsbegeisterte alles, was das Kletterherz höher schlägen lässt. Nicht alle Routen sind sofort zu finden, aber sie sind ein Geheimtipp und sollten bei allen, die Ruhe und Abgeschiedenheit suchen, unbedingt auf der To-Do-Liste stehen. Wer den Zustieg über grobes Geröll geschafft hat, darf sich über traute Zweisamkeit mit seiner besten Kletterpartnerin oder seinem Lieblings-Kletterpartner freuen. Denn hierher finden auch bei schönstem Wetter bislang kaum andere. Zehn neue Mehrseillängenrouten wurden etwa zwanzig Minuten von der Gramaialm in den Karwendelstein gebohrt.

Neue Kletterrouten oberhalb der Gramai-Alm

Oberhalb der Gramai-Alm

Was für eine Szenerie. Uns erwartet eine kleine aber feine Kletterroute am Fuße des Sonnjoch (2.475 Meter) mit herrlichen Ausblicken ins Karwendelgebirge. Beim Aufstieg schweifen die Blicke hinüber zur Lamsenspitze (2.508 Meter), ein alpines Klettergebiet mit bis zu 400 Meter hohen Wänden. Auf den Rücken tragen Stefan, Martin und ich drei 55 Meter lange Doppelseile. „Hoch das Bein, die Liebe winkt“, scherzt unser Bergführer. Endlich sind wir angekommen. Auf einem versteckten Schild ist der Name der Kletterroute eingraviert:  „Paparazzi im Rücken“. Irgendwie passend, denn links davon wird gerne ein Schnappschuss nach dem anderen im Fels geschossen. Insgesamt gibt es im Klettergebiet Gramai schon zehn neue Routen.

 

In der chilligen Strandlounge in Pertisau lassen wir gemeinsam mit Stefan das Gelernte anschließend noch einmal Revue passieren. Alle sind vom Klettervirus infiziert und hätten nicht manche eine lange Abreise, wären wir noch länger oben am Fels geblieben. Blitzartig rückt die Abreise näher. Aber für ein erfrischendes Bad im smaragdgrünen Achensee mit Trinkwasserqualität bleibt noch ausreichend Zeit. Dann heißt es auch schon Abschied nehmen. „Immer fleißig dran bleiben“, treibt uns Stefan an.

Aus heiterem Himmel zieht kurz darauf plötzlich ein Gewitter auf. Regen peitscht herab, und unter dunklen Wolken schnauft die Dampflok der Achenseebahn durch das Tal. Aber selbst das wirkt irgendwie zauberhaft. Zwei Stunden später ist der Spuk schon vorbei und die Sonne lacht wieder. Einmal infiziert, lässt einem der Klettervirus vom Achensee nie wieder los.

Ach, wie gern wär ich noch eine Woche hier geblieben.

INFO

Klettern am Achensee

Empfohlener Reiseführer

Allgemein

Achensee Tourismus
Im Rathaus 387
6215 Achenkirch
Österreich

www.achensee.info

www.climbers-paradise.com/achensee

Prospekt als PDF: Kletterführer Achensee

Kletterausrüstungsverleiher

Anreise

Auto

1. Inntalautobahn A12 (Vignettenpflicht), Ausfahrt Wiesing/Achensee

2. Mautfreie Anreise über den Achenpass oder Bad Tölz.

Bahn und Bus

Mit Zug bis Bahnhof Jenbach, anschließend umsteigen auf die Achensee Dampf-Zahnradbahn (verkehrt bis zur Anlegestelle der Achenseeschifffahrt) oder weiter mit dem Linienbus. Die An- und Abreise mit dem Linienbus von Jenbach zu den Orten Achenkirch, Maurach, Pertisau, Steinberg und Wiesing ist gratis für alle Gäste, die die Reservierungsbestätigung Ihrer gebuchten Unterkunft am Achensee zeigen. Schon seit 10 Jahren können Gäste am Achensee kostenlos die Busse der Region nutzen.
www.oebb.at

www.achenseebahn.at

Kletterkurse und Bergführer 

Einführung ins Sportklettern – 2 Tage
Gebiet: In den Klettergärten der Region Achensee. Buchbar ab 2 Personen.
Preis: EUR 125,- pro Person pro Tag exkl. Kletterausrüstung und Liftkarte.
Programm: Vermitteln von Klettertechnik, Sicherungstechnik, Seil und Knotenkunde, Abseilen auf Toprope Basis, Von Nachstieg zum Vorstieg, Zwischensicherungen, Standplatzbau.

Um eine rechtzeitige vorherige Anmeldung bei Stefan Wierer wird gebeten.

Kontakt: Stefan Wierer
Staatlich geprüfter Berg- und Skiführer
Mitglied im IVBV (Internationaler Verband der Bergführer Verbände)
Mobil: +43 (0)664 1240069
stefan.wierer@gmail.com

 

 

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