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Einer der weltgrößten Weinkeller ist Cricova

Es beginnt zunächst unscheinbar. Ein kaum bemerkbarer Abstieg in die Tiefe endet in einer anderen Welt. Nur wenige Kilometer nördlich der Hauptstadt der Republik Moldau Chișinău öffnet sich ein Tor in eine unterirdische Welt, die mit endlosen Straßen, einer Kirche und einem Kino eher an eine Metropole erinnert als an ein Weingut. Willkommen in Cricova, einem Ort, der nicht weniger ist als eine unterirdische Stadt – gewidmet einzig und allein dem Wein.

100 Meter unter der Erde entfaltet sich ein Labyrinth aus über 120 Kilometern Tunneln. Die Straßen tragen wohlklingende Namen wie Cabernet, Chardonnay oder Pinot, und tatsächlich fühlt man sich hier schnell heimisch, aber eher wie ein önologischer Höhlenforscher mit einem riesigen unterirdischen Stadtplan, um sich nur ja nicht zu verlaufen, als der Besucher in einem gewöhnlichen Weinkeller.

In den unterirdischen Gängen von Cricova
herrschen die perfekten Lagerbedingungen.

Was heute zu den größten Weinwundern der Welt zählt, begann einst als Kalksteinmine aus dem 15. Jahrhundert – bis visionäre Winzer im Jahr 1952 erkannten, dass hier die perfekten Bedingungen herrschen: Konstante 12 bis 14 Grad Celsius, ideale Luftfeuchtigkeit, Dunkelheit.

Cricova war Pionier – und ist es bis heute geblieben. Bereits in den 1950er-Jahren wurde hier als erstes Weingut Moldawiens Schaumwein nach der klassischen französischen Methode produziert. Und während anderswo Maschinen dominieren, lässt sich hier noch eine inzwischen fast vergessene Kunst bewundern: Remueurs, die jede einzelne Flasche per Hand drehen, um die Hefe sanft zum Flaschenhals zu führen.

Doch Cricova ist nicht nur Produktionsstätte, sondern auch ein Ort der Superlative. Die Nationale Weinsammlung, gegründet 1954, umfasst heute über 1,3 Millionen Flaschen – darunter Raritäten wie ein Wein aus dem Jahr 1902, abgefüllt in Jerusalem. In einem anderen Abschnitt lagert eine bizarre historische Hinterlassenschaft: mehr als 2.000 Flaschen aus der Sammlung des NS-Funktionärs Hermann Göring, die nach dem Zweiten Weltkrieg hierher gelangten.

Kosmonaut Juri Gagarin soll sich in den
verzweigten Gängen der Weinkeller
schlicht verirrt haben.

Eine kuriose Anekdote erzählt vom sowjetischen Kosmonauten Juri Gagarin, der sich bei einem Besuch in den weit verzweigten Gängen schlicht verirrte – und angeblich erst Stunden später wieder auftauchte.
Auch politisch ist das Weingut Cricova ein Ort internationalen Rangs. In prunkvollen Sälen tief unter der Erde wie dem „Präsidentensaal“ oder dem „Meeresgrund“ finden hochrangige Empfänge statt. Was machte denn Baden-Württembergs neuer Ministerpräsident Cem Özdemir hier? Persönlichkeiten wie Angela Merkel oder John Kerry besitzen ihre eigenen privaten Weinkeller. Ein Who ist who der Politik.

Ein Who ist who internationaler Gäste:
Von Angela Merkel bis Cem Özdemir.

Über der Erde erstrecken sich die Weinberge auf über 1.000 Hektar, die größten des Landes. Dank der unterschiedlichen Lagen gedeihen hier sowohl kraftvolle Rotweine als auch elegante Weißweine ausgezeichnet. Bemerkenswert: Cricova setzt zunehmend auf biologisch zertifizierten Anbau, mit autochthonen Rebsorten wie Fetească Neagră oder Viorica.
Seit 2003 ist Cricova offiziell ein nationales Kulturerbe Moldawiens – ausgezeichnet mit höchster staatlicher Ehrung. Doch wirkt der Ort weniger wie ein Museum als wie ein lebendiges, pulsierendes System.

Wer durch die stillen, kühlen Straßen unter Tage fährt, spürt schnell: Cricova ist kein gewöhnliches Weingut. Es ist ein Universum aus Stein, Zeit und Genuss – ein Ort, an dem sich Geschichte, Handwerk und Abenteuer zu einer Reise verbinden, die man so schnell nicht vergisst.

INFO

Wer in der Republik Moldau zu Gast ist und sich in Chișinău aufhält, für den führt an der Besichtigung des Weinguts Cricova kein Weg vorbei. Am einfachsten erreicht man Cricova mit dem Öffentlichen Bus Linie 2, dafür Kleingeld 6 MDL (Moldauische Lei) bereithalten. Reservierungen für Exkursionen durch die Weinkeller des Weinguts vorab telefonisch reservieren (Mo-Fr 10-20 Uhr. Sa-So 10-18 Uhr).
https://cricova.md

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Einer der weltgrößten Weinkeller ist Cricova

Es beginnt zunächst unscheinbar. Ein kaum bemerkbarer Abstieg in die Tiefe endet in einer anderen Welt. Nur wenige Kilometer nördlich der Hauptstadt der Republik Moldau Chișinău öffnet sich ein Tor in eine unterirdische Welt, die mit endlosen Straßen, einer Kirche und einem Kino eher an eine Metropole erinnert als an ein Weingut. Willkommen in Cricova, einem Ort, der nicht weniger ist als eine unterirdische Stadt – gewidmet einzig und allein dem Wein.

100 Meter unter der Erde entfaltet sich ein Labyrinth aus über 120 Kilometern Tunneln. Die Straßen tragen wohlklingende Namen wie Cabernet, Chardonnay oder Pinot, und tatsächlich fühlt man sich hier schnell heimisch, aber eher wie ein önologischer Höhlenforscher mit einem riesigen unterirdischen Stadtplan, um sich nur ja nicht zu verlaufen, als der Besucher in einem gewöhnlichen Weinkeller.

In den unterirdischen Gängen von Cricova
herrschen die perfekten Lagerbedingungen.

Was heute zu den größten Weinwundern der Welt zählt, begann einst als Kalksteinmine aus dem 15. Jahrhundert – bis visionäre Winzer im Jahr 1952 erkannten, dass hier die perfekten Bedingungen herrschen: Konstante 12 bis 14 Grad Celsius, ideale Luftfeuchtigkeit, Dunkelheit.

Cricova war Pionier – und ist es bis heute geblieben. Bereits in den 1950er-Jahren wurde hier als erstes Weingut Moldawiens Schaumwein nach der klassischen französischen Methode produziert. Und während anderswo Maschinen dominieren, lässt sich hier noch eine inzwischen fast vergessene Kunst bewundern: Remueurs, die jede einzelne Flasche per Hand drehen, um die Hefe sanft zum Flaschenhals zu führen.

Doch Cricova ist nicht nur Produktionsstätte, sondern auch ein Ort der Superlative. Die Nationale Weinsammlung, gegründet 1954, umfasst heute über 1,3 Millionen Flaschen – darunter Raritäten wie ein Wein aus dem Jahr 1902, abgefüllt in Jerusalem. In einem anderen Abschnitt lagert eine bizarre historische Hinterlassenschaft: mehr als 2.000 Flaschen aus der Sammlung des NS-Funktionärs Hermann Göring, die nach dem Zweiten Weltkrieg hierher gelangten.

Kosmonaut Juri Gagarin soll sich in den
verzweigten Gängen der Weinkeller
schlicht verirrt haben.

Eine kuriose Anekdote erzählt vom sowjetischen Kosmonauten Juri Gagarin, der sich bei einem Besuch in den weit verzweigten Gängen schlicht verirrte – und angeblich erst Stunden später wieder auftauchte.
Auch politisch ist das Weingut Cricova ein Ort internationalen Rangs. In prunkvollen Sälen tief unter der Erde wie dem „Präsidentensaal“ oder dem „Meeresgrund“ finden hochrangige Empfänge statt. Was machte denn Baden-Württembergs neuer Ministerpräsident Cem Özdemir hier? Persönlichkeiten wie Angela Merkel oder John Kerry besitzen ihre eigenen privaten Weinkeller. Ein Who ist who der Politik.

Ein Who ist who internationaler Gäste:
Von Angela Merkel bis Cem Özdemir.

Über der Erde erstrecken sich die Weinberge auf über 1.000 Hektar, die größten des Landes. Dank der unterschiedlichen Lagen gedeihen hier sowohl kraftvolle Rotweine als auch elegante Weißweine ausgezeichnet. Bemerkenswert: Cricova setzt zunehmend auf biologisch zertifizierten Anbau, mit autochthonen Rebsorten wie Fetească Neagră oder Viorica.
Seit 2003 ist Cricova offiziell ein nationales Kulturerbe Moldawiens – ausgezeichnet mit höchster staatlicher Ehrung. Doch wirkt der Ort weniger wie ein Museum als wie ein lebendiges, pulsierendes System.

Wer durch die stillen, kühlen Straßen unter Tage fährt, spürt schnell: Cricova ist kein gewöhnliches Weingut. Es ist ein Universum aus Stein, Zeit und Genuss – ein Ort, an dem sich Geschichte, Handwerk und Abenteuer zu einer Reise verbinden, die man so schnell nicht vergisst.

INFO

Wer in der Republik Moldau zu Gast ist und sich in Chișinău aufhält, für den führt an der Besichtigung des Weinguts Cricova kein Weg vorbei. Am einfachsten erreicht man Cricova mit dem Öffentlichen Bus Linie 2, dafür Kleingeld 6 MDL (Moldauische Lei) bereithalten. Reservierungen für Exkursionen durch die Weinkeller des Weinguts vorab telefonisch reservieren (Mo-Fr 10-20 Uhr. Sa-So 10-18 Uhr).
https://cricova.md