Zwischen den beiden Welterbestätten Neuschwanstein und Linderhof versteckt sich ein ausgestrecktes Wanderparadies, dessen einzigartige majestätische Schönheit schon Ludwig II. ins Schwärmen geraten ließ. Am intensivsten und auch am nachhaltigsten lässt sich die einzigartige Bergwelt zwischen den Allgäuer und Ammergauer Alpen auf einer Mehrtages-Hüttentour mit dem Bergrucksack und dem Busfahrplan entdecken. Das Motto lautet: Wandern, soweit die Schuhe und die Stöcke tragen, mit Naturentdeckungen in allen Wetterlagen.
Unsere erste Tagestour führt uns von Schloss Neuschwanstein über den Schützensteig bis ins Tirol mit dem Alpenhotel Ammerwald als Ziel. Eingepackt für nasskaltes Regenwetter, bei Sonnenschein wär es natürlich netter, führt unser Weg erst einmal hinters Schloss und von dort den Wasserleitungsweg Richtung Berggasthaus Bleckenau hinauf. Bevor ich mich vor dem etwas schwindelerregenden Erlebnis drücke, mache ich auch noch einen Abstecher auf die Marienbrücke mit Blick auf Neuschwanstein, der von hier aus einfach nur atemberaubend ist. Der klare Vorteil bei Regen: Es sind keine Menschenmassen zugegen.

Wandern auf königlichen Spuren.
Unsere Rucksäcke stecken in Regenschutzhüllen, und ich ließ mir zwei Liter Trinkvorrat auffüllen. Unter meiner nicht ganz regenfesten Jacke komm ich ins Schwitzen, und so ist das Erfolgserlebnis groß, als wir im Berggasthaus sitzen. Gegen den Hunger hilft ein heißer Linseneintopf, darin eine Extraportion Würstchenscheiben sich einzuverleiben. Auf dem weiteren Weg bergauf heißt es stets Augen auf und gut auf den Weg schauen, weil sich im Regenwetter einige Alpensalamander aus ihren Verstecken hinaus trauen. Kurz darauf folgt der Abstieg zum Alpenhotel Ammerwald. Von hier aus kann man, jedenfalls Samstags und Sonntags, mit dem Bus über Reutte wieder zurück nach Füssen.

Weißwurstfrühstück am Tegelberghaus.
Am nächsten Morgen führen uns unsere Wander-Guides Nadine und Markus noch höher und ein ganzes Stück weiter hinaus. Auf geht´s auf unsere erste Wanderung mit gemeinsamer uriger Hüttenübernachtung. Gestartet wird mit einem Weißwurstfrühstück auf dem Tegelberghaus. Damit die anspruchsvolle zweitägige Wanderung von der Bergstation der Tegelbergbahn über die Kenzenhütte bis zum Schloss Linderhof zum unbeschwerten Naturerlebnis wird, lohnt sich ein gut durchdacht gepackter Rucksack. Weniger ist mehr: Jedes zusätzliche Kilogramm macht sich auf den rund 20 Kilometern mit hunderten Höhenmetern bemerkbar. Gut, dass mein Highlander Mummy Hüttenschlafsack nur 260 Gramm wiegt. Ebenso wichtig sind frische Wechselkleidung sowie Hygieneartikel wie Zahnbürste, Zahnpasta und ein kleines Handtuch. Unverzichtbar ist aber auch eine leichte Regenjacke, und auch eine warme Fleecejacke für den Abend auf der Hütte sollte nicht fehlen.

Gut gepackt ist halb gewonnen.
Keineswegs sollte auf einer solch weiten Wanderexpedition auf König Ludwigs Spuren auf ausreichend Wegzehrung verzichtet werden. Für die fünf- bis sechsstündigen Wegstrecken über den Gabelschrofensattel zur Kenzenhütte und von der Kenzenhütte durch das Sägertal und das Graswangtal zum Schloss Linderhof empehlen sich jeweils zum einen zwei Liter Trinkwasservorrat und zum anderen eine kräftige Brotzeit mit belegten Broten, Obst oder Trockenfrüchten sowie mehrere Riegel. Da weite Teile der Strecke über saftige Almwiesen, sonnendurchflutete Bergsattel und in aussichtsreiche Höhen über der Baumgrenze führen, gehören eine Cap als Sonnenschutz sowie Sonnencreme auch dazu.

Ein Gläschen Wein darf abends sein.
Damit man das Abendessen nicht verpasst, sollte man bis Abends um sechs auf der Kenzenhütte eintreffen. Bis zur Nachtruhe um 22 Uhr lohnt es sich, noch ein paar Stunden auf der Terrasse zu verbringen, bevor man die Stirnlampe aufzieht und das nächtliche Lager bezieht. Davor darf es noch Kaiserschmarrn sein und dazu bester Pfälzer Wein.

Entdeckungen mit der Naturpark-Rangerin.
Am nächsten Morgen ist der Himmel grau, das eingepackte Regencape erweist sich als schlau. Nochmal rund 250 Höhenmeter liegen vor uns, ehe die Weggabelung am Bäckenalmsattel auf 1.538 Metern erklommen ist. Hier empfängt uns die Naturpark-Rangerin Theresa, sie begleitet uns auf dem kommenden sagenhaften Abschnitt das Sägental hinunter. Recht glitschig ist es, aber die Sohle hält und die Stimmung ist munter. Wir durchstreifen den Bergwald und erfahren allerhand über den Auerhahn und das was da wächst am Wegesrand. Aus dieser Wildnis heraus betreten wir wenige Kilometer später eine ganz andere Szenerie. Auch auf Schloss Linderhof erwies sich Ludwig II. als fantasievolles Baugenie. Von nah und von fern strömen Menschen herbei, um das Welterbe-Schloss mit seinen Wasserspielen zu bewundern. Egal wo man hinwandert, man kommt fast überall wieder zurück: Auch von Schluss Linderhof kann man mit dem Linienbus mit Umstieg in Reutte wieder zurück nach Füssen zu unserem Ausgangspunkt fahren.

Köstlichkeiten auf der Guggenberg Alm.
Es lohnt sich, auf König Ludwigs Spuren die Region auch kulinarisch zu erkunden. Zwischen der historischen Innenstadt von Füssen und den Ammergauer Alpen gibt es ausgezeichnete Gastronomie wie das italienische Restaurant Michelangelo in Füssen und das Gasthaus zum Schwanen in der Füssener Altstadt, an der Tegelbergbahn Bergstation das Tegelberghaus und die Guggenberg Alm in Bad Kohlgrub.

Abendfahrt mit Alphornbläsern.
Die romantischste Art, den Tag in dieser Region ausklingen zu lassen, ist die schöne Abendfahrt auf dem Forggensee mit Alphornbläsern. Dabei erfahren die Passagiere allerhand über das alpine Instrument und der Sonnenuntergang über den See wird fast schon zur Nebensache.
Nach nur vier Tagen in Füssen und den Ammergauer Alpen ist mein Notizbuch voll mit Eindrücken und Erinnerungen. Es macht Spaß und überzeugt, dass ausgedehnte Wanderungen durch die Allgäuer und Ammergauer Alpen mit dem Linienbus abgeschlossen werden können und man auch ganz ohne privaten Transfer die Berge überqueren kann und mit den ÖPNV-Bussen leicht zum Ausgangspunkt zurückkommt – jedenfalls am Samstag und am Sonntag, wenn die meistern wandern. Wer auf König Ludwigs Spuren unterwegs zwischen Neuschwanstein, Kenzenhütte und Linderhof unterwegs ist, kehrt am Ende nicht mit schwerem Rucksack, sondern mit den wertvollsten Erinnerungen heim – denn die schönsten Souvenirs tragen wir im Herzen, und auf langen Bergtouren gilt mehr denn je: leicht packen, intensiv erleben.
INFO
Allgemein
Als Ausgangsort für die hier beschilderten Wanderungen empfiehlt sich die Stadt Füssen. Übernachtungsgäste erhalten die Füssen Card, mit der die regionalen Linienbusse z.B. nach Schloss Neuschwanstein und zur Tegelbergbahn kostenfrei genutzt werden können.
Info
Füssen Tourismus
Kaiser-Maximilian-Platz 1
87629 Füssen
Telefon: +49 8362 93850
www.fuessen.de
Naturpark Ammergauer Alpen
Dorfstraße 3
82487 Oberammergau
Telefon: +49 8822 922740
www.ammergauer-alpen.de
Anreise
Umweltfreundlich mit der Bayerischen Regiobahn nach Füssen. Bahnhof nur wenige Minuten von der Fußgängerzone und der Innenstadt mit guten Hotels gelegen. Für Gruppen, die aus der Umgebung anreisen, lohnt sich das Regio Ticket Allgäu Schwaben.
www.bahn.de
Touren
1. Wanderung auf königlichen Spuren: Schloss Neuschwanstein – Abstecher Marienbrücke – Wasserleitungsweg – Berggasthaus Bleckenau– Jägerhütte – Schützensteig – Alpenhotel Ammerwald (Reine Gehzeit: ca. 4:15 h). Einkehrstationen Bleckenau oder Wanderpicknick an der Jägerhütte oder im Alpenhotel Ammerwald. ÖPNV-Zubringer und Abholung: Bahnhof Füssen – Neuschwanstein mit Linie 73 oder 78, Breitenwang Hotel Ammerwald – Füssen mit Linie 319 und 100 über Bahnhof Reutte. Die Buslinie 319 verkehrt samstags, sonntags und feiertags von Mai bis September (Stand 2026).
2. 2-Tagestour Bergstation Tegelbergbahn – Schloss Linderhof über Gabelschrofensattel und Kenzenhütte (Übernachtung) sowie am Tag 2 über den Bäckenalmsattel zum Ziel. (Tag 1: 10,2 km. Aufstieg: 556 Hm. Abstieg: 968 Hm. Reine Gehzeit ohne Pausen in etwa 5:30 h, Tag 2: Kenzenhütte-Sägertal-Schloss Linderhof, Länge: 7,4 km. Aufstieg: 255 Hm. Abstieg: 570 Hm. Reine Gehzeit ohne Pausen ca. 4:00 h). ÖPNV-Zubringer und Abholung: Bahnhof Füssen – Tegelbergbahn mit Linie 73, Schloss Linderhof-Bahnhof Füssen mit Linie 319 und 100 über Bahnhof Reutte. Die Buslinie 319 verkehrt samstags, sonntags und feiertags von Mai bis September (Stand 2026). Achtung: Der Weg von der Tegelbergbahn zur Kenzenhütte ist eine lange und schwere Bergtour mit alpinen Gefahren und erfordert ausreichend Proviant, sicheres Schuhwerk und Trittsicherheit. Gute Beschreibung der Tour Tegelberg – Kenzenhütte
www.allgaeu.de/touren/tegelberg-kenzenhuette
Einkehren & Übernachten
Kenzenhütte, Halblech, Ammergebirge
www.kenzenhuette.de
Hotel Füssen
www.hotel-füssen.de
Gasthaus zum Schwanen, Füssen
www.schwanen-fuessen.de
Guggenberg Alm, Bad Kohlgrub
www.guggenberg-alm.de
Sehenswürdigkeiten
Schloss Neuschwanstein
www.neuschwanstein.de
Schloss Linderhof
www.schlosslinderhof.de
Forggensee-Schifffahrt mit Alphornbläsern
www.forggensee-schifffahrt.de/veranstaltung/alphoerner/
Kloster Ettal
www.kloster-ettal.de