Der Weisse Rausch in St Anton (Foto: Henning Heilmann)

Weißer Rausch in St Anton: Mit voller Kraft von der Valluga

1.300 Höhenmeter, 555 Skifahrer und Snowboarder aus insgesamt 14 Nationen, und alle vereint ein Ziel: St. Anton. Doch zuerst müssen neun Kilometer Abfahrt und am „Schmerzensberg“ mühevolle 150 Meter Aufstieg überwunden werden.

Ganz oben auf der Valluga

Ganz oben auf der Valluga

„Ein Traumtag heute“, ist mein erster Gedanke beim Ausstieg von der Bergstation der Valluga auf 2.645 Metern. Ein kleines Wunder mitten in einem schon sommerlichen April erwartet uns: Während ein kurzer Wintereinbruch tieferen Lagen nur Dauerregen bescherte, erwartet mich hier an Ostern eine weiße Pracht und strahlender Sonnenschein. Bevor es den Hang herab geht, gibt´s noch ein Fotoshooting.
Zugegeben, könnte eine Vorbereitung auf neun Kilometer Skirennen besser aussehen. Der frühe Frühling und die schon sommerlichen Temperaturen, der Schneemangel an meinem Hausberg Bazora und grüne Wiesen bis auf Almhöhe haben dazu geführt, dass ich die Bretter diesen Winter nur an wenigen Wochenenden angeschnallt hatte. Die Party im Picadilly währte bei fetziger Live-Musik bis in die Morgenstunden, und am nächsten Tag ging´s früh wieder raus. Aber wie es so schön heißt: Dabei sein ist alles. Hauptsache heil unten ankommen.

Der viel gefürchtete "Schmerzensberg".

Der viel gefürchtete „Schmerzensberg“.

Optimale Bedingungen herrschten aufgrund des frühen Frühlingseinbruchs nicht, so musste aufgrund der Schneelage der Start verlegt werden. Ein spannender Massenstart war dennoch garantiert.  Heuer starteten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter Skicross-Weltcupteilnehmer Daniel Riegler und Weißer Ring-Siegerin Angelika Kaufmann, mit den Skiern und Snowboards in der Hand.

 

Startschuss am „Schmerzensberg“

Gleich zu Beginn hatten alle einen kräftezehrenden Anstieg vor sich: 36 Höhenmeter auf 150 Metern Länge mussten zu Fuß bezwungen werden, bevor es die Abfahrt nach St Anton hinunter ging. Hier trennte sich schnell die Spreu vom Weizen. Eine Trainingseinheit musste Zauberhaft Reisen für den furchteinflößenden Anstieg reichen. Um 17 Uhr fiel der Startschuss für die Partie, und inmitten zahlreicher Profis ist unser Reiseblog bei den ersten dabei.

Der Puls schnellt in ungeahnte Höhen, bevor die eigentliche Abfahrt erst noch ansteht. Während manche die Ski als Steighilfe benutzen, entscheide ich mich für die Schultervariante. Erleichtert schwinge ich den ersten Hang zum Panoramarestaurant Galzig hinab, wo der Schnee schon bedenklich sulzig wird. Was will man erwarten, so kurz vor Mai.

Die folgende Piste gleicht einem Trichter mit anschließender Engstelle, auf der sich allerdings das Grand der Teilnehmer schon durchgekämpft hat. Hunderte haben bereits Buckel in die Piste gepflügt, und so ist trotz zunächst mäßigem Gefälle an Schuss nicht zu denken. Permanente Bodenwellmassagen sind im Skischuh und den Waden spürbar. Aber was soll´s, diese besondere Form des Skicross macht dann auch wieder ungeheuerlich Spaß. Wer die Herausforderung sucht, hat sowieso lieber die Buckelpiste als eine topfebene Abfahrt, die bei diesem Massenansturm einfach nicht mehr zu realisieren ist. Kurzzeitig wird es nochmal steil.

Skipiste extrem auf den letzten Metern.

Skipiste extrem auf den letzten Metern.

Angefeuert von Schaulustigen passiere ich die letzten Pistenmeter auf der Einfahrt nach St Anton. Auf einem zerpflügtem Dings, das einmal eine vorbildlich präparierte Piste war, improvisiere ich die letzten Schwünge. Am Ende heißt es noch einmal alles geben, denn hier ist eine Schikane eingebaut. Immer diese Schikanen zum Schluss, die kenne ich doch schon von vielen Mountainbike-Rennen.

 

Hier heißt es, die Skier abzuschnallen und über einen Parcours aus einem Haufen zusammengekarrten Schnee ins Ziel zu hechten. Ein letztes Mal Foto-Shooting vom später gestarteten Teilnehmerfeld. Dann heißt es, diesem Winter endgültig Adieu zu sagen.

Die letzten Meter ins Ziel.

Die letzten Meter ins Ziel fordern noch einmal Krafteinsatz und Geschicklichkeit.

Zum Schluss noch die Sieger: Patrick Kramer (AUT) erreichte mit einer Zeit von 00:08:25,79 das Ziel. Bei den Damen sicherte sich Angelika Kaufmann (AUT) mit 00:10:12,39 den Sieg und in der Snowboard-Wertung holte Böni Drexel (AUT) Platz 1 (00:11:12,07).

 

INFO

„Der Weiße Rausch“ ist eine Disziplin des alpinen Triathlons „Arlberg Adler“. Wer diese
begehrte Sieger-Trophäe kommendes Jahr in den Händen halten möchte, muss auch beim
Halbmarathon Arlberger Jakobilauf und beim Arlberger Bike Marathon im Sommer 2015 noch einmal alles geben. Die genauen Termine für kommendes Jahr stehen noch nicht fest. Unabhängig davon ist für Marathontalente, Hobbyläufer und Mountainbiker eine Anmeldung zum diesjährigen Arlberger Jakobilauf am 26. Juli 2014 (21,125 km ) und zum Arlberger Bike Marathon (41 km) am 23. August 2014 unter www.arlbergeradler.eu weiterhin noch möglich.

www.stantonamarlberg.com