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Zwischen Kleinwalsertal, Körbersee und Kanisfluh

_bregenzerwald960Aus dem malerischen Kleinwalsertal über das Starzeljoch hinab nach Schoppernau, von Kalbele- und Körbersee bis zur königlichen Kanisfluh: Mit Wanderschuhen, Bus und Gäste-Card lässt sich gesund und günstig mehr vom Bregenzerwald entdecken, als dies mit dem Auto je möglich wär. Weiterlesen

Das Kleinwalsertal ist eines der schönsten Sackgassen der Welt. Aber seit jeher fasziniert auch hier, was dahinter liegt und meist unentdeckt bleibt: Nur selten werden die Wanderschuhe geschnürt, um die Grenze zwischen dem Kleinwalsertal und dem Bregenzerwald zu überqueren und diese beiden über keine Straße verbundenen Teile Vorarlbergs in einer Tour zu entdecken.

Der Wanderer, der den Bregenzerwald aus dem Kleinwalsertal heraus erobert, sollte für dieses Abenteuer sechs bis sieben Stunden einplanen und im Bregenzerwald ein Quartier organisiert haben. Die Wandervorfreude steigt minütlich, wenn man im rappelvollen Bus von Oberstdorf bis an das Ende des bezaubernden Kleinwalsertals verbleibt und fortan dem ganzen Rummel bye bye sagt. Denn ist man erst einmal in Baad aus dem Bus gestiegen, leeren sich schon bald die Wege und nachdem einmal das Starzeljoch erklommen ist, kann man auf der anderen Seite ganz allein begleitet vom Bimmeln der Kühe weiterwandern. Hier wandern nur Weitwanderer.

Urige Alpen und weite Wiesen
Der sanfte Wandel von Grasbergen bis zu den alpinen Felszacken der Künzelspitze im Hintergrund, wo sich die Ausläufer des Lechquellengebirges erstrecken, hat seinen besonderen Reiz. Im Rücken liegen die Bergbahnen und Lifte des Kleinwalsertals, weit vor uns die auch im Sommer geöffnete Bergbahn und die Skilifte am Diedamskopf, aber hier ist die Gebirgslandschaft mit ihren weiten Wiesen und urigen Alpen von technischen Veränderungen noch so unversehrt, als sei die Zeit seit einigen Jahrhunderten stehen geblieben.

 

 

Übers Starzeljoch
Der alte Saumweg auf Bregenzerwälder Seite des Starzeljochs führt zur Althornbachalpe. Hier führt ein Güterweg zur Neuhornbachalpe und zum Bergrestaurant Neuhornbachhaus. Wenn die Beine müde und der Durst groß ist, hier einfach den Blick über die Bergwelt des Bregenzerwalds schweifen lassen. Auf 1.700 Metern vergeht die Zeit wie im Flug. Wer sein Quartier in Au oder Schoppernau gewählt hat, darf sich nun aber noch auf einen längeren Abstieg gefasst machen. Fast 900 Meter geht es nämlich bergab, ehe erste Ortschaften im Bregenzerwald erreicht sind.

Von unserem Nachtquartier im wunderschön eingerichteten Zimmer im Haus Alpenglühn in Au nehmen wir nach einem reichhaltigen Frühstück gleich am nächsten Morgen den Bus, der uns dank unserer Gästecard Bregenzerwald kostenlos bis nach Warth transportiert. Auch die Bergbahn, der Steffisalp Express, nimmt uns mit Gästecard ohne Aufpreis mit nach oben.


Malerischer See und Murmeltiere
Oben am Saloberkopf auf 2.050 m pfeifen überall die putzigen Murmeltiere und warnen vor den Wandersleuten. Unser Weg führt uns weiter zum idyllischen Körbersee, an den sich etwas oberhalb ein traditionsreiches Berghotel mit schöner Sonnenterrasse schmiegt. Einige Meter östlich befindet sich mit dem Kalbelesee ein weiterer Gebirgssee. Im Sommer lohnt sich ein erfrischendes Bad im Körbersee, im Hintergrund der mächtige Widderstein, welcher sich im Wasser spiegelt.

Im leichten Bergab wandern wir an der Bregenzerach hinab nach Schröcken, von wo wir den Bus zurück nach Au nehmen . Das Haus Alpenglühen liegt schräg gegenüber der Bushaltestelle und erwartet uns tags drauf im Haus nebenan wieder mit einem königlichen Frühstück.

Königliche Kanisfluh
Auch zur Königswanderung im Bregenzerwald, der markanten Kanisfluh, starten wir wieder mit dem Bregenzerwaldbus von Au und steigen im Ortszentrum von Mellau aus, denn aufgepasst: Der Bus hält meist nicht an der Bergbahn.  Dafür spart die Auffahrt in der neuen Kabinenbahn der Bergbahnen Mellau Kraft zur Erklimmung des Gipfels und schon zahlreiche Höhenmeter.

bregenzerwald_detail03Auf der Bergstation Roßstelle ist man schon im Alpgebiet von Mellau. Die Wanderung auf die Kanisfluh beginnt auf einem schönen Güterweg, der ohne viel Höhenunterschied von der Roßstellealpe zur Kanisalpe führt. Erst dort beginnt der Anstieg auf einem schmalen Pfad hinauf zum Gipfel der Kanisfluh. Gutes Schuhwerk unersetzlich! Mit etwas Glück erblickt man an den Abhängen Steinböcke, von denen hier über 50 Stück leben. Beim Abstieg lohnt sich der Umweg zur Wurzachalpe, wo Wanderer eine köstliche Einkehr vor Abfahrt der Bergbahn erwartet.

Nach vier herrlichen Wandertagen im Bregenzerwald hilft uns die Gästecard Bregenzerwald, gratis mit dem Bregenzerwaldbus nach Dornbirn hinauszufahren, wo Bahnanschluss besteht. Doch unterwegs legen wir noch einen Zwischenstopp in Alberschwende ein. Hier haben wir das Vergnügen, noch einmal mit dem nostalgischen Einersessellift auf den Brüggelekopf zu fahren.

bregenzerwald_detail04Bye bye am Brügellekopf
Der 1967 eröffnete Brüggelekopflift wurde inzwischen leider außer Betrieb genommen, sodass Wanderer derzeit nur zu Fuß den Aussichtspunkt mit Einkehrmöglichkeit erreichen. Der Ablauf der Konzession ist schade, da hier eine Aussicht bis auf den Bodensee einlädt. Aber die Alberschwender starteten eine pfiffige Spendenaktion: Wer 1.000 Euro spendet, bekommt als Andenken einen 1er-Sessel. Das Vergnügen, den Lift kurz vor Schließung zu fahren, war groß. Aber auch eine Wanderung auf den Brügellekopf ist wunderschön.

INFO

Allgemein

Bregenzerwald Tourismus
www.bregenzerwald.at

Au-Schoppernau Tourismus
www.au-schoppernau.at/de

5 Wanderungen im Bregenzerwald
https://www.indenbergen.de/weblog/11244-wanderungen-bregenzerwald/

Wanderziele aus dem Reisebericht

Tour 1: Vom Kleinwalsertal in den Bregenzerwald wandern

Tour 2: Warth – Bergstation Steffisalp zum Körbersee

Tour 3: Mellau- Im Revier der Steinböcke auf die Kanisfluh

Tour 4: Alberschwende – Gipfelerlebnis am Brüggelekopf

Tipps von Anreise bis Übernachtung

Anreise

An- und Abreise mit Bahn und Bus über Dornbirn und Anschluss Bregenzerwaldbus.

Die im Reisebericht beschriebene Anreise aus dem Kleinen Walsertal erfolgt über Oberstdorf
(Zug bis Oberstdorf, Bus 1 Richtung Baad im Kleinwalsertal, Wanderung übers Starzeljoch)

Unterkünfte

Hier Unterkünfte im Bregenzerwald buchen

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Tipp zur Übernachtung: Haus Alpenglühen in Au
Inmitten der bezaubernden Berg- und Naturlandschaft des Bregenzerwaldes lädt das Haus Alpenglühen in Au mit wunderschön eingerichteten Zimmern und großem Balkon zu attraktiven Preisen ein. In direkter Nähe von Bushaltestelle und Molkereigeschäft.

 

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Bregenzerwald Gäste Gard
Ab drei Nächten in einem Quartier im Bregenzerwald gibt es im Sommer für Urlaubsgäste die Bregenzerwald Gäste Card mit welcher die Landbusse Bregenzerwald, die Bergbahnen und weitere Attraktionen wie Schwimmbäder gratis sind bzw. freien Eintritt gewähren.

 

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Andelsbuch-Bezau: Skifahren als schönste Nebensache

Bezau, einst Endstation der Bregenzerwaldbahn und noch immer beliebte Sommerfrische, hat auch für Wintersportler viel zu bieten. Die neue Bergbahn fährt blitzschnell ins Ski- und Rodelvergnügen und ins abwechslungsreiche Skigebiet Niedere Andelsbuch. Weiterlesen

Beim Einstieg in die 2010 komplett erneuerte Seilbahn Bezau komme ich mir mit meinen Schi schon etwas exotisch vor. Etwa drei Viertel haben Rodel dabei, manche Schneeschuhe, einige gehen Winterwandern, andere haben den Gleitschirme im Gepäck, nur zwei andere Ski dabei. Eine bunte Mischung , die die ganze Bandbreite an Aktivitäten wiederspiegelt.

Gipfelstation Baumgarten: Ein Rundblick, der seinesgleichen sucht

Gipfelstation Baumgarten: Ein einzigartiger Rundblick

Niedere: Der unscheinbare Berg in der Mitte des Bregenzerwaldes hat so einiges zu bieten. Das Gipfelpanorama reicht bis in die Schweiz, an den Bodensee, ins Allgäu und nach Tirol. Eine Aussichtsplattform bringt die Bergspitzen auf Informationstafeln zum Greifen nah. Im Sommer zieht es Wanderer, jede Menge Gleitschirmflieger und öfters auch Mountainbiker hierher.

 

Doch was im Sommer schön ist, muss ja im Winter nicht weniger erholsam sein.  So sind auch im Winter Paraglider willkommen, die meist oben auf der Niedere Höhe ihre Schirme ausbreiten. Winterwandern kommt der Reihenfolge nach sogar vor dem Wintersport, viele Touren sind ausgeschildert. Wöchentlich findet eine geführte Schneeschuhwanderung statt.

Auch Sonntags freie Fahrt auf der Piste

Skigebiet Niedere: Auch Sonntags freie Fahrt auf der Piste

Aber die Kabine der Seilbahn Bezau fährt nicht nur zum Wandern und Paragliden, sondern eben auch sehr schnell in das Schigebiet Niedere, ein familienfreundliches Schigebiet mit 20 km präparierten Schipisten, zwei Doppelsesselbahnen und fünf Schleppliften. Bei der Ankunft an der Bergstation lacht das Herz. Herrlich breite Carving-Pisten soweit das Auge reicht. Ein Steilhang verspricht rasante Action.

 

Doch vor allem wer die Ruhe und die Einfachheit zu schätzen weiß, wer auf den Komfort von Hightech-Skiliften und auf Aprés-Ski-Zirkus verzichten kann, wer herrliche, weitläufige Pisten ohne den Rummel großer Skigebiete genießen oder neue Spuren in den glitzernden Pulverschnee ziehen möchte, wird sich im Skigebiet Niedere zwischen Andelsbuch und Bezau bestimmt wohlfühlen. „Es war nicht gewollt, nicht mit der Zeit zu gehen, aber mittlerweile haben wir die Vorzüge der Langsamkeit entdeckt“, erklärt die Broschüre der Bergbahnen.

Die Schlepplifte an der variationsreichen und bestens zum Carven geeigneten Abfahrt Muldenlifte mögen nicht den Glanz großer Ski-Metropolen versprühen, aber stören weniger, wenn im Sommer die Wiesen blühen. Flink laufen die Lifte alle, speziell der Schlepplift Niederekopf, eine Art Turbo-Tellerlift to the Top. Oben fasziniert gleich die tolle Aussicht.

Schwarz, steil, top präpariert: Die Piste 3

Schwarz, steil, top präpariert: Die Niederekopfabfahrt

Auf der Niedere Höhe (1715 m) lockt für ambitionierte Skifahrer die top präparierte schwarze 3, an einer Schanze stellen Könner ihr Talent zur Schau. Wer sich die schwarze Piste nicht zutraut, nimmt die blaue 6. Schlangen vor den Liften sind auch am Wochenende selten. An schneereichen Tagen ist die Abfahrt nach Andelsbuch möglich, eine Skiroute lädt zur Abfahrt bis Sonderdach ein.

 

Insgesamt sehr abwechslungsreich, aber nicht teuer: Eine Nachmittagskarte ist an der Seilbahn Bezau ab 12:15 für 22 Euro erhältlich. Den ganzen Schitag sind Erwachsene für 30,80 Euro auf den Pisten, Kinder (Jahrgang 2000-2009) können sämtliche Pisten schon ab morgens um neun für nur 17,80 Euro genießen, Jugendliche (1997-1999) um 27,40 Euro.

Am Ende eines sonnigen Schitags legt sich ein Nebelmeer ins Tal. Ich fahre mit der Seilbahn ins Tal und blicke in glückliche Gesichter.  Irgendwann muss ich die Natur-Rodelbahn zur Mittelstation Sonderdach (3 km, 440 Höhenmeter) probieren. Schifahren ist hier beinahe Nebensache. Ob mit Schi, Rodel oder Wanderschuhen: Bezau ist immer eine Reise wert.

INFO

Skigebiet Niedere Andelsbuch-Bezau

Allgemeines
Das Skigebiet Niedere Andelsbuch-Bezau ist besonders familienfreundlich. Der Hausberg „Niedere“ bietet ein eindrucksvolles Panorama vom Bodensee bis zu den Schweizer Bergen. Das kompakte Skigebiet bietet abwechslungsreiche Abfahrten in allen Schwierigkeitsgraden. Ski- und Snowboardschulen bieten Kurse. An der Seilbahn Bezau lockt eine Naturrodelbahn. Bei Anfahrt aus dem Allgäu ist das Skigebiet ohne österreichische Autobahn vignettenfrei erreichbar.

Meereshöhe
655 – 1.715 m

Saison
Bis 13. März 2016 täglicher Fahrbetrieb

Anreise

Mit ÖPNV
Per Bahn zum Bahnhof nach Bregenz oder Dornbirn – umsteigen auf Landbuslinien
www.vmobil.at

Vom Busbahnhof Bezau zur Seilbahn Bezau mit der Linie 34 (Bezau/Bizau/Mellau)

Mit dem Auto

Deutschland
Autobahn A14 bis Ausfahrt Dornbirn Nord
– Achraintunnel – Alberschwende – Egg – Andelsbuch – Bezau
Schweiz
Dornbirn – Autobahn A 14 bis Ausfahrt Dornbirn Nord
– Achraintunnel – Alberschwende – Egg – Andelsbuch – Bezau
Allgäu
Oberstaufen – Riefensberg – Langenegg – Egg – Andelsbuch (ohne Vignette)

Adressen

Seilbahn Bezau GmbH & CO KG
Telefon +43 (0)5514 2254
E-Mail: hallo@seilbahn-bezau.at
www.seilbahn-bezau.at

Bergbahnen Andelsbuch
Telefon +43 5512 2540
E-Mail: info@bergbahnen-andelsbuch.at
www.bergbahnen-andelsbuch.at

Canyon mit Guides von "Holzschopf" (Foto: Peter Ehler)

Outdoor in Warth-Schröcken – Folge 1: Canyoning

„Canyoning wird dir saumäßig Spaß machen“, verspricht mir der freundliche Berater aus dem Sportgeschäft etwa eine Woche vorher, als ich mich nach passenden Schuhen erkundige. Das mit den Schuhen ist nicht so kompliziert, besser man nimmt nicht die neuesten, hinterher sind sie klatschnass, aber eine gute Sohle sollten sie schon haben. Die Details werden erst kurz vor dem Aufbruch bekannt: Mehrere zwanzig Meter hohe und am Ende je nach der Strömung noch ein vierzig Meter hoher Wasserfall sollen überwinden werden. Ist das nicht ein bisschen viel für mich, so als kaum geübter Anfänger? „Kein Problem, aber ihr müsst´s euch schon konzentrieren und immer wachsam sein“, erklärt Jürgen Strolz von der Outdoor-Schule Holzschopf in Schröcken-Nesslegg im Bregenzerwald.

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Canyoning an der Wasserscheide

Der Hochtannbergpass (1.660 m ü. M.) zwischen Warth und Schröcken in Vorarlberg ist, vor allem im „Ländle“, sicher vielen bereits ein Begriff. Der Gebirgspass, entlang welchem die europäische Wasserscheide verläuft, verbindet die Allgäuer Alpen mit dem Lechquellengebirge. Östlich fließt das Wasser in den Lech, in die Donau und ins Schwarze Meer, westlich in die wilde Bregenzer Ach, in den Rhein und in die Nordsee. Im Winter erklimmen hier Skiurlauber vom Bodensee herkommend den steilen Pass hinauf die letzten Meter ins Skigebiet, wo durch den Verbund mit Lech-Zürs im Winter 2013/14 das größte Skigebiet Vorarlbergs entsteht. „Papa, wann sind wir endlich da?“ quengeln kurz vor den Liften kleine Kinder auf den Rücksitzen. Im Sommer genießen dagegen entspannte Motorradfahrer auf ihren Enduros die Serpentinen.

Vor dem Abstieg in die Schlucht (Foto:Peter Ehler)

Vor dem Abstieg in die Schlucht (Foto:Peter Ehler)

Wir hingegen überqueren die Passstraße einfach nur kurz und werfen mit unserem Guide einen Blick hinab in die Schlucht. Oha! Jetzt wird es Ernst mit unserem Outdoor-Abenteuer. Gleich werden wir mit Jürgen und Marcel vom „Holzschopf“ in die tiefe Schlucht zum Canyoning aufbrechen. Was uns erwartet, ist ein wilder Gebirgsbach mit zahlreichen Wasserfällen nicht weit von der Quelle der Bregenzer Ach.

Jürgen Strolz ist einer der Pioniere des Canyoning am Arlberg (Foto: Warth-Schröcken Tourismus)

Canyoning-Guide Jürgen Strolz (Foto: Warth-Schröcken Tourismus)

Jürgen Strolz ist einer der weltweit ersten Canyoning Guides. Bereits vor rund zwanzig Jahren begann er im hintersten Bregenzer Wald mit seinem Angebot. Es war das Jahr 1995. „Das Wort Outdoor war gerade erst zu uns in die hintersten Berge vorgedrungen. Ich dachte mir: Genau das richtige für mich.“ Aber Canyoning kannte noch keiner. Das machten höchstens ein paar verrückte in den Pyrenäen. Bei den Behörden nur Schulterzucken. Wie nennt sich ihr Beruf? Als Canyoning-Anbieter der ersten Stunde hat jedoch Jürgen sein Ziel, seinen Traum zum Beruf zu machen und den aktiven Natursport in seiner Heimat anzubieten, nie aus den Augen verloren. Die ersten Prospekte entstanden, die Idee war gereift. Schon bald brachen die ersten Outdoor-Gäste von beiden Seiten des Tannbergpasses nach Schröcken auf, um Canyoning als neues Naturerlebnis zu entdecken .

Bevor es in die Schlucht geht, werden die richtige Technik und die optimale Haltung beim Abseilen im Trockentraining geübt. Ganz einfach von der Garage am Holzschopf. So bekommt jeder die Sicherheit, dass auch beim „Schluchteln“ alles hält. Alle sind bereits mit Neoprenanzug, Neoprenfüßlingen, Helm und Canyoning-Gurt eingekleidet. Nun steht einem luftigen Abenteuer im frischen Gebirgswasser nichts im Wege. Dafür steht direkt vor der Haustüre der Canyoning Guides in Schröcken-Nesslegg der Seebach zu Verfügung, welcher sich durch tiefe Schluchten stürzend über mehrere Kaskaden in die Bregenzerach ergießt.

Ab in die Schlucht

Die ersten Meter in den Canyon gleichen noch einem Spaziergang. Nur wenige Minuten später folgt die erste Mutprobe und der erste Wasserfall. Jürgens Erfahrung schafft Vertrauen und gibt Halt. Noch weitgehend ungelernt im Fels, bin ich nach jedem Wasserfall etwas stolzer über die überwundenen Hindernisse und Höhenmeter. Über glatt geschliffene Felsen rutschen wir in glasklare Strudeltöpfe. An einer anderen Stelle hängen wir direkt über einem Wasserfall im Fels und müssen uns über einer fast senkrechten Wand über zwanzig Meter im herabprasselnden Wasser abseilen. Eine Erlebnisdusche der besonderen Art. „Das schaffst du schon“, ermutigt mich Jürgen. Mit etwas Abstand folgen Claudia, Kathrin, Justina und Peter.

Alpines Canyoning im Bregenzerwald (Foto: Wart-Schröcken Tourismus)

Alpines Canyoning im Bregenzerwald (Foto: Wart-Schröcken Tourismus)

Kurz vor dem letzten Hindernis, einem vierzig Meter hohen Wasserfall über mehrere Kaskaden und Krümmungen, klimmen wir wieder aus dem Canyon auf die Straße empor. Der Wasserstand ist derzeit noch zu hoch für dieses Abenteuer. „Schaut nochmal nach links runter, da wart ihr gestern mit den Flying Fox unterwegs“, zeigt Jürgen.  Bei einer Flying-Fox-Safari über den Wildbach kann man vorher schon seine Höhenangst überwinden. Auch wer etwas ängstlich ist, braucht nichts zu fürchten, solange er trittsicher und konzentriert in den Canyon schreitet. Umspült vom klaren Gebirgswasser, erscheinen die zahlreichen Höhenmeter längst nicht so gefährlich wie auf einer alpinen Gratkletterei. Tief drin im Canyon fühle ich mich irgendwie geerdeter.

Unmittelbares Naturerlebnis

Als Massensport sieht der Outdoor-Pionier Strolz das Canyoning, zu welchem nur in Gruppen unter professioneller Begleitung aufgebrochen werden sollte, nicht: „Im Zentrum sollte das Naturerlebnis stehen, die vollkommen andere Perspektive aus der Schlucht heraus“.

Rutsche in den Strudeltopf (Foto: Warth-Schröcken Tourismus)

Rutsche in den Strudeltopf (Foto: Warth-Schröcken Tourismus)

Es stimmt. Schon nach wenigen hundert Metern schwirren mir die Klischees Colorado und Rocky Mountains durch den Kopf. Ja, auch dort wird Canyoning angeboten. Aber warum erst weit in die Ferne schweifen, wenn es auch hier bei den Walsern so großen Spaß macht. Was für eine frische Perspektive aus dem glasklaren Wasser des Strudeltopfs in die umgebenden Baumwipfel zu schauen. Auf dem gemütlichen Rückmarsch über ein paar Nebenstraßen zum Holzschopf, wo uns leckere Rippchen oder vegetarische Spinatspätzle erwarten, habe ich ein bisschen das Gefühl, von einem Berg herunter gekommen und nur auf einen Hügel gestiegen zu sein. Auf einer Brücke werfe ich dann noch einmal einen Blick in das klare Wasser der tiefen, schattigen Schlucht. Die Sonne brennt. Ich will wieder in den Canyon herunter. So bald als möglich und gerne öfters mal wieder.

Nächste Folge (2): Klettersteig und Flying Fox – Warth-Schröcken on the Rocks (05.08.2013) Bildvorschau

INFO

Canyoning in Warth-Schröcken

Allgemein

Die Gemeinden Warth und Schröcken liegen im äußersten Westen Vorarlbergs am Hochtannbergpass (1.660 m ü. M.) an der Europäischen Wasserscheide. Neben Canyoning sind in den Schluchten auch Flying Fox und Rafting angesagt. Desweiteren sind im Sommer Wandern, Klettern und Mountainbiken beliebt.

www.warth-schroecken.com

Ausrüstung

Neben der Neoprenausrüstung, alpintauglichem Helm, Canyoninggurt und Seilen, welche in der Regel vom Veranstalter gestellt werden, wird ein angemessenes Schuhwerk empfohlen, welches nass werden darf (Schuhe mit guter Sole, wobei meist nicht Bergstiefel erforderlich sind, sondern sich auch griffige Turnschuhe eignen).

Anreise 

Auto

–    aus Richtung Karlsruhe, Stuttgart, Ulm

Über die A8, die A7 und B198 über Kempten, Füssen, Reutte und das Lechtal

(ohne österreichische Autobahnvignette)

–         aus Richtung Friedrichshafen, Lindau

Vom Bodensee-Nordufer ist Warth-Schröcken über die A14 durch den Pfändertunnel (Vignettenpflicht) und dann über die B200 durch den Bregenzerwald zu erreichen.

Bahn & Bus

–         aus Richtung Rheintal, Stuttgart und Bodensee

Mit regionalen oder Fernverkehrszügen bis zum Bahnhof Dornbirn. Vom Busbahnhof  weiter mit der Linie 40 vom Landbus Bregenzerwald bis Schröcken oder Warth (ungefähr sieben direkte Busverbindungen am Tag).

–         aus Richtung  München, Kempten

Mit Regionalbahnen über Kempten (Allgäu) nach Reutte in Tirol. Von Reutte bis Warth mit der Buslinie 4268 (Lechtalbus), etwa stündlich.

Canyoning-Anbieter

Schröcken-Nesslegg

holzschopf.com
Outdoor and more
Jürgen Strolz
Nesslegg 94
A – 6888 Schröcken
Tel: +43 (0)5519 30338
Handy: +43 (0)664 3801540
info@holzschopf.com

www.holzschopf.com

Warth

Alpinschule Widderstein
Christian Fritz
6767 Warth
Tel: +43 (0) 660 2149207
office@alpinschulewidderstein.com

www.alpinschulewidderstein.com

Am Klettersteig zum Karhorn

Outdoor-Abenteuer in Warth-Schröcken

Anspruchsvolle Klettersteige, Flying Fox in schwindliger Höhe, Canyoning in tiefen Schluchten: Zauberhaft Reisen war in Warth-Schröcken im Bregenzerwald und hat die besten Outdoor-Angebote gecheckt. Alle Touren, Tipps und mehr demnächst auf Zauberhaft Reisen!