__helgoland_header_neu

Helgoland – eine kleine Insel, die süchtig macht

Schon in meiner Kindheit bereicherte eine kleine Seehundfamilie meine Kuscheltiersammlung. Nun hatte ich tatsächlich Gelegenheit, sie aus nächster Nähe zu betrachten und die Vögel beim berühmten „Lummensprung“ auf Helgoland, der Insel meiner Kindheitsträume, zu beobachten.

helgoland_galerie01Endlich in diesen Sommerferien kam die Gelegenheit, das Inselparadies meiner Kindheitsträume zu bereisen. Von Hamburg aus sollte es möglich sein, die Insel direkt anzusteuern und dies sogar im einfachen Tagesausflug. Schnell waren die notwendigen Erkundigungen eingeholt und das Ticket für den schnellen Catameran erwartete mich am Anlegeplatz. Wie empfohlen war ich eine halbe Stunde vor der Abfahrt schon im Hafen.

Schon in meiner frühen Kindheit spielte Helgoland eine große Rolle für mich. Dorthin begab sich nämlich meine Großmutter jedes Jahr aufs Neue, um einige erholsame Tage am Meer zu erleben. Jedes Mal kam sie mit einem Koffer voll Fundstücken und Souvenirs zurück. Kleine Seehundbabys zum Spielen, interessante Steine, Muscheln, Donnerkeile und einmal sogar einen echten Bernstein, den sie dort gefunden hat. Mich faszinierten diese Dinge stets und von dem Bernstein wurde für mich einst ein wunderschöner kleiner Kettenanhänger gefertigt.

„Das Wetter schien heute meinem Vergnügen wohl nicht hold zu sein!“, so dachte ich etwas enttäuscht bei meiner Ankunft. Dichte Wolken hingen an diesem Morgen über Hamburg und die Elbe lag dunkel vor mir. Immer mehr Reisende erschienen, manche mit schweren Koffern. Dann öffneten sich die Tore. Endlich konnte ich an Bord. Hier fand ich meinen Fensterplatz und vom freundlichen Schiffspersonal umsorgt, konnte ich schon bald ein zweites Frühstück einnehmen. Der Hafen und das Elbufer waren mit vielen Sehenswürdigkeiten gespickt.

helgoland_story01Fuhren wir an besonderen Schiffen vorbei, so strömten viele Interessierte aufs Außendeck, um diese zu bestaunen. Interessant waren Hinweise auf Vogelschutzgebiete in den Elbauen. Seltene Brutvögel gäbe es dort und sogar Seeadler könnten gesichtet werden. Idyllisch sah die Landschaft hier aus. Auf den grünen Deichwiesen grasten Schafherden. Rotweiße Leuchttürme leuchteten hervor.

Ab Cuxhaven ging die Fahrt nun übers Meer weiter. Möwen begleiteten die rasante Fahrt. Leichter Seegang war nun zu spüren. Immer häufiger zog es mich auf das Außendeck, denn nun zeigten sich immer mehr Risse in der grauen Wolkendecke. „Es wird nun heller und schöner!“, jubelte ich in mich hinein. Der Fahrtwind mit dem frischen Salzgeruch des Meeres wurde zum Hochgenuss. Wild flackerte die Schiffsfahne und mein Haar wehte in diesen Böen hoch auf. Sämtliche Abenteuergeschichten beflügelten nun meine Fantasie. Heute war ich auf „Großfahrt“ wie einst die Wikinger, Piraten und Weltumsegler. So vergingen die Stunden wie im Flug.

helgoland_galerie03Da erschien die Silhouette der Insel am Horizont, ganz klar und sonnenbeschienen. Bei meiner Ankunft zierten einige wenige weiße Wölkchen den azurblauen Himmel über dem Anlegehafen der Insel. Vergessen war nun der Nebel über der dunklen Stadt.
Im Strom der Touristen wanderte ich zuerst an kunterbunten Häuschen vorbei, um dann in die wenigen Einkaufsstraßen mit den Läden voller Zollfreiangeboten zu gelangen.

Hier verweilte ich jedoch nicht lange. Es zog mich weg von diesem Getümmel hinauf zu den Felsen, denn in den wenigen Stunden meines Aufenthalts wollte ich möglichst viel von der einzigartigen Natur sehen, die Vögel beobachten und das brausende Meer erleben.
Es war sehr einfach, sich zu orientieren, denn die Inselumrundung ist vorbildlich ausgeschildert. Nach einer kleinen Steigung wird ein Höhenweg erreicht. Der Leuchtturm, vielfältige Ausblicke auf das felsige Ufer, Bergschafe und Zwergrinder, Möwen, Kormorane und Basstölpel begleiteten nun meinen Weg. Interessanterweise erreiche ich sogar ein Gipfelkreuz.

helgoland_galerie24Beim sogenannten „Lummenfelsen“ verweilte ich dann lange Zeit. Hier findet im Juni das Spektakel des „Lummensprungs“ statt, las ich auf den Infowänden. Vom hochgelegenem Felsennistort springen die flügge gewordenen Jungvögel todesmutig in die Tiefe, um ab diesem Zeitpunkt mit den Altvögeln in den Weiten des Meeres zu fischen. Die Felsen waren nun aber immer noch bewohnt.

Jetzt im August waren hier in unmittelbarer Nähe des Weges noch hunderte Basstölpel mit der Fütterung ihrer Nestlinge beschäftigt. Reges Treiben herrschte hier, stetes Quäken, Schnattern und Flattern. Die Altvögeln standen regelrecht im Gegenwind über der Brutkollonie. Zielsicher fanden sie ihre Partner, die sie schnäbelnd begrüßten. Für die Jungvögel in ihrem weichen Daunenkleid gab es einen frischgefangenen Imbiss. Es wird daher nicht mehr lange dauern, dass auch diese Kinder flügge werden, um sich wie die Alten mühelos im Wind zu wiegen.
Ein Vogel müsste man über diesen Klippen sein und sich erheben über Fels und Getöse!

helgoland_story02Berauscht von diesem Traum vom Fliegen schloss ich auf einer der vielen Rastbänke verträumt die Augen, um dann ganz still meine mitgebrachte Brotzeit zu geniesen. Die „Lange Anna“ im Blick ließ ich nun einige Besucherströme passieren. Ich verweilte hier, denn dies schien ein Ort zu sein, an dem andere Gesetzmäßigkeiten gelten. Gezeiten und Winde bestimmten hier mein Denken. Ich weidete mich am blauen Horizont.

Im lauten Rauschen der Wogen, die seit Urzeiten hier an die Felsen prallen, verebbten die Geräusche und Stimmen der Zivilisation. Einen Moment fühlte ich mich eins mit diesem Kosmos. So gestärkt wanderte ich meine Runde weiter. Wieder richtete sich mein Blick über die Klippen hinunter. Was waren das für Bewegungen im Meer? Was tummelte sich dort in den Wellen? Robben – auf einmal erkannte ich es klar. Ja, sogar mehrere Kegelrobben schaukelten dort in den Wogen und zogen verspielt ihre Kreise. Nun trieb es mich hinunter ans Meer.

helgoland_story03Ein Steig mit vielen Treppenstufen führte hier zu einem Sandstrand hinunter. Endlich konnte ich den weichen Sand unter den Füßen spüren. Hier war Seetang angeschwemmt worden und Muscheln leuchteten hervor. Ein kleiner Strandvogel tippelte dazwischen mit schnellen Schritten. Immer wieder pickte er sich wohl einen kleinen Leckerbissen auf.

Mein Weg führte mich nun in die Nähe vom Hafen. Von hier aus gäbe es Fährfahrten zur Helgolanddüne, erlas ich auf einen Hinweis. Dort könnte man Baden oder auch sich sonnende Robben und Seehunde beobachten. „Schade, dass mir dazu nun die Zeit nicht mehr reicht“, dachte ich voll Sehnsucht, denn langsam musste ich an die Rückfahrt denken. Erfüllt von diesem ersten Inseleindrücken kehrte ich zum Anlegehafen um. Immer wieder blieb ich noch einmal stehen, um jeden Augenblick auszukosten. Dann spurtete ich zum Boot zurück.

helgoland_galerie27Die Rückfahrt wurde im Austausch mit den Mitreisenden sehr kurzweilig. Einige verbrachten hier wie jedes Jahr ein paar Tage. Viele kleine, private Pensionen gäbe es auf der Insel. Leider hatte ich dieses Mal nur diesen einen Tag gehabt. Aber sicherlich werde ich noch einmal diesen Ort aufsuchen, wieder als Tagesausflug oder auch mit Übernachtung. Auf dieser Hochseeinsel wird es immer wieder neu etwas zu entdecken geben. Einen Abend auf den Klippen zu verbringen, den Sonnenuntergang zu bestaunen oder auch frühe Morgenstunden allein mit dem Wind und den Vögeln – ja, das alles muss ein Traum sein! Nein, ich habe noch nicht alles gesehen, was diese Insel bieten kann, aber ich verstehe nun sehr gut, dass sie so viele Freunde hat.

Auch ich würde Helgoland nicht so schnell überdrüssig werden, so glaube ich, denn so klein dieses Atoll auch ist, dies ist ein Ort, der schon an einem einzigen Tag süchtig machen kann.

Text und Fotos: Susan Wehrmaker

INFO

Helgoland Touristik
www.helgoland.de

Schnellfähre Helgoline
Verkehrt ab Hamburg, Wedel und Cuxhaven
www.helgoline.de

Helgoland-Fotoworkshop mit dem Naturfotografen Uwe Schmid
Helgoland Fotoworkshop von Nordsee Tourismus