Archiv der Kategorie: Bahn

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Mit Bahn und Bike die Abruzzen entdecken

Schon die Bahnreise in die Abruzzen ist beeindruckend. In einer beeindruckenden Bergkulisse liegt Sulmona, auch als „Siena der Abruzzen“ bezeichnet, wo tolle Mountainbike-Touren starten. Hier gibt es vieles neu zu entdecken – mit ortskundigem Guide macht das doppelt Spaß! Weiterlesen

Noch schöner als mit dem Flieger kommt man mit der Bahn in den Süden, und wer rechtzeitig bucht, erhält mit etwas Glück ein 29,- Euro Ticket mit Nachtzug nach Rom. Hier lässt sich die Anreise in die Abruzzen noch mit einer kleinen Stadtbesichtigung verbinden. Sulmona im Herz der Abruzzen liegt an der Bahnlinie Rom-Pescara und ist in etwa drei Stunden erreichbar, für nur 10,50,- Euro zauberhaft günstig und auf landschaftlich bezaubernder Strecke.

Wer in die Abruzzen reist, sollte sich klar sein, dass sich nur etwa 50 Kilometer von den Stränden Pescaras entfernt ein mächtiges Gebirge erstreckt. Von den ligurischen Alpen bis zur Stiefelspitze wird Italien vom Apennin durchzogen. Seine höchsten Erhebungen hat dieses Gebirge in den Abruzzen, wo der „Gran Sasso“, der „Große Stein“, thront, dessen höchster Gipfel der Corno Grande mit 2.912 Metern ist. Sulmona, die Heimatstadt Ovids und Ausgangspunkt reizvoller Biketouren ins Gebirge, liegt nur auf gut 400 Metern.

Sulmona, Fontana del Vecchio

Sulmona, Fontana del Vecchio

Bezauberndes Sulmona

”Sulmo mihi patria est, gelidis uberrimus undis”, beschrieb Sulmonas berühmtester Sohn, der römische Poet Ovid, seine Heimat. Reich an frischem Quellwasser ist die von mächtigen Bergketten umringte Stadt am Fuße des Majella Gebirges in der Tat. Bei der Ankunft am Bahnhof kann man sich an einem Brunnen am Bahnsteig erstmals mit dem Gebirgswasser aus den Abruzzen erfrischen. In der Stadt stillen weitere Brunnen wie der „Greisenbrunnen“ (Fontana del Vecchio) den Durst. Es lohnt sich, vor dem Aufbruch zu Mountainbike-Touren in die reizvolle Umgebung die Trinkflasche an einem der vielen Brunnen mit Trinkwasserqualität aufzufüllen.

 

Markt auf der Piazza Garibaldi

Markt auf der Piazza Garibaldi

Umringt von der Kulisse hoher Berge, liegt Ovids Heimat in einem weiten, sonnigen Tal. Auf der Piazza Garibaldi, am Rande eines Aquädukts aus dem 13. Jahrhundert gelegen, ist mittwochs und samstags Markttag, auf dem allerlei Spezialitäten aus den Abruzzen (Wurstspezialitäten wie Salsiccia di cinghiale – vom Wildschwein, Salsicce di Fegato nostrane – mit einheimischer Leber), sowie Mozarella aus Sulmona und frisches Obst und Gemüse angeboten werden. Sehenswert sind auch die Porta Napoli, ein gotisches Tor am Südeingang der Stadt, die Kathedrale San Panfilo mit Krypta am Rande einer grünen Parkanlage, der Palazzo dell’Annunziata und Santa Annunziata sowie die Piazza XX Settembre mit seiner schönen Ovid-Statue.

 

Scanno zählt zu Italiens schönsten Dörfern

Scanno auf 1.050 m Meereshöhe

Die abruzzesischen Dörfer

Der Zauber der Abruzzen liegt im Wechselspiel intakter Natur und bezaubernden Bergdörfern. Die alten abruzzesischen Dörfer wurden im Mittelalter geformt. Hoch oben thront eine Burg, darunter gibt es einen Platz, auf dem sich die Menschen versammeln und in den oftmals nur enge Gässchen führen. Hier befindet sich auch die Kirche, welche wie die Santa Maria della Misericordia im Hirtendorf Pacentro oft geradezu riesig ist und, äußerst kunstvoll verziert, von der Frömmigkeit der Bewohner zeugt. Rund um Sulmona befinden sich einige der schönsten Dorfer Italiens: Pacentro, Villalago, Scanno, Pescocostanzo, Pettorano sul Gizio – allesamt wunderschöne Bergdörfer, die mit dem Rad erklommen werden wollen.

 

Die Trinkflaschen mit frischem Quellwasser gefüllt und schnell noch die Klickpedale montiert, geht es auf unsere erste Tour. Kaum haben wir Sulmona in Richtung der Majella verlassen, präsentiert sich die Natur in all ihrer Pracht. Schmale Singletrails sind dicht mit Sträuchern bewachsen, die sich im Frühling in Blütenmeere verwandeln, aber auch Dornen tragen und mühevoll von Radclubs der Region intakt gehalten werden. Erste technische Raffinessen lassen nicht lange auf sich warten. Massimo, der ortskundige Tourguide, kennt sie alle.

Biketour nach Roccacasale

Biketour nach Roccacasale

Einsiedler und Arbeitsbienen

Auf und ab erklimmen wir die ersten Höhenmeter und passieren, hoch oben im Fels, die Einsiedelei Papst Zölestin V. (neben Benedikt XVI. 700 Jahre später bisher der einzige Papst, der aus freiem Willen abdankte). Vorbei an einer alten Arbeitsbiene (Ape), die knatternd am Berg abdankt, erreichen wir Roccacasale mit seiner alten Burgruine. Unterhalb der Burg erfreut uns ein herrlicher Ausblick in die gesamte Hochebene und zum Gran Sasso. Am nächsten Tag erwartet uns ein echtes Highlight in den Abruzzen: Die Gole di Saggitario, eine atemberaubende Schlucht, die herrlichen Bergseen Lago di S. Domenico und Lago di Scanno sowie die Bergdörfer Villalago und Scanno. Ein Traumtag!

 

Alpine Pässe oder Gipfel konnten wir kurz nach Ostern aufgrund des sich hartnäckig haltenden Schnees in den Bergen nicht erkunden, aber der Majella Nationalpark bei Sulmona wartet mit etlichen Gipfeln auf, von denen der Monte Amaro mit 2.793 Metern der höchste ist.

Handgemachte Chitarrine

Chitarrine im Hotel Ovidius

Kulinarische Köstlichkeiten

Nach anstrengenden Biketouren ist es Zeit, die kulinarischen Köstlichkeiten der Abruzzen zu erkunden. Die Küche der Gebirgsregion ist durch einfache, aber schmackhafte Gerichte, häufig mit Schaffleisch, geprägt. Pappardelle mit Salsiccie oder Chitarrine (viereckige Eiernudeln ähnlich Spaghetti) sind typische Gerichte. Fisch wird eher selten serviert. Dazu passen Weine aus der Region, wie der Montepulciano d´Abruzzo, oder der Cerasuolo, ein Rosé, ebenso wie der Trebbiano und der Pecorino, die Weißweine aus der Region. Nicht wieder verlassen kann man Sulmona, ohne Confetti zu probieren, Zuckermandeln in Form von Blumensträußen und mehr.

 

Exklusiv, aber günstig

Auf der Suche nach einer Unterkunft findet man in den Abruzzen und speziell in Sulmona exklusive Hotels, die keine Wünsche offen lassen. Dabei sind die Preise dennoch günstig. So sind im Viersternehotel Santacroce Meeting in Sulmona 2 Nächte im Doppelzimmer (HP) inklusive Frühstück und viergängigem Menu zum Abendessen ab 110 Euro erhältlich. Menus im Restaurant mit typisch regionalen Gerichten sind unter 20 Euro erhältlich.

Biker mit Ausblick in die Sagittario-Schlucht (Foto: Abruzzo Promozione Turismo)

Sagittario-Schlucht (Foto: Abruzzo Promozione Turismo)

MTB-Touren sind unterschiedlich schwierig und lang, und eignen sich sowohl für Einsteiger als auch für Profi-Mountainbiker, die auf der Suche nach anspruchsvollen Herausforderungen und Gebirgspässen sind.  Mountainbiker finden ein noch weitgehend unentdecktes Terrain vor, das sich mit ortskundigen Guides wie von Bikelife aus Pescara entdecken lässt und seine Reize in der spektakulären Landschaft entfaltet.



INFO

Anreise

Umweltfreundlich und günstig mit der Bahn. Bahnanschluss Sulmona an der Strecke Rom-Pescara.
Tipp: Mit City Night Line Spar-Night Ticket über Nacht ab 29 Euro nach Rom, der Anschluss mit Regionalzug nach Sulmona kostet lediglich 10,50 Euro.

Bike-Tour-Tipp

Scanno – Villalago – Anversa degli Abruzzi – Cocullo – Ortoni dei Marsi – Pescaserolli – Opi – Scanno (Länge: 103 km Höhenmeter: 1.003 min. Höhe: 432 max. Höhe: 1.586 m)

Weitere Touren auf cicloturismo.abruzzoturismo.it (Roadbook & GPX) und auf www.gps-tour.info

MTB-Exkursionen

BikeLife, Francavilla al Mare bei Pescara
Regelmäßige MTB-Exkursionen, auch Sulmona, Pettorano sul Gizio, Scanno u.a. im Programm sowie eine Tour im Majella-Nationalpark mit dem Titel „Majellactive“. Ebenso Verleih hochwertiger Mountainbikes, auch 29er Modelle.
www.bikelife.it

Fahrradfachgeschäft, Verleih, Exkursionen

Ezio Due Ruote, Sulmona
www.ezio2ruote.it

Einkehren / Einkaufen

Wochenmarkt Mittwochs und Samstags in Sulmona, Piazza Garibaldi

Confetti Pelino, Via Stazione Introdacqua 55, Sulmona

Übernachten

Hotel-Tipp: Hotel Ovidius (zentral) und Hotel Santacroce Meeting (für Gruppen geeignet)
www.hotelsantacroce.com

Adressen

Abruzzo Promozione Turismo
Corso Vittorio Emanuele II, 301
65122 Pescara, Italy
info@abruzzoturismo.it
www.besuchabruzzo.de

Mit Volldampf dem Öchsle folgen

Auf Pedalen die „schwäbsche Eisebahne“ entdecken

Auf Radurlaub in Oberschwaben lässt sich Naturgenuss mit Eisenbahngeschichte und urigen Einkehrmöglichkeiten in Biergärten und Hausbrauereien kombinieren. Am Bahnhof von Durlesbach, bei der kostenlosen Fahrradmitnahme im Dampfzug oder auf Radexpress-Sonderfahrten auf selten bedienten Nebenstrecken scheint die Zeit still zu stehen. Weiterlesen

Wer auf der Zugfahrt von Ulm an den Bodensee einmal Laptop und Smartphone beiseite legt, und ganz entspannt aus dem Fenster schaut, kann zwischen Aulendorf und Ravensburg im Wald versteckt den aus dem schwäbischen Lied bekannten Bahnhof Durlesbach entdecken. Der 1849 eröffnete und 1984 geschlossene Bahnhof im Schussental wird längst nicht mehr angefahren, ist aber heute ein idyllisches Ausflugsziel mit dem Rad.

Tour 1: Über Durlesbach nach Biberach

Der nächstgelegene Bahnhof, an welchem mit dem Fahrrad ausgestiegen werden kann, ist die Station Mochenwangen der Bodensee-Oberschwaben-Bahn zwischen Ravensburg und Aulendorf. Von hier sind es nur fünf Kilometer auf einem schönen Waldweg bis Durlesbach, einer Handvoll Häuser mitten im Nirgendwo. Am Samstag- oder Sonntagnachmittag, wenn das gemütliche Café Allegra geöffnet hat, kann man im schattigen Gastgarten des stillgelegten Bahnhofs einen Eisbecher mit Kaffee oder auch ein Bio-Radler genießen.

Die berühmte Szene mit der Geiß

Die berühmte Szene mit der Geiß in Durlesbach

Heute ist in Durlesbach die bekannte Szene des Lieds „Auf de schwäbsche Eisebahne“ mit Bauer, Geiß, „Konduktör“ und „Weible“ nachgestellt („Eine Geiß hat er si kaufet, und dass sie ihm net verlaufet, bindet sie der guete Ma an de hintre Wage na“). Der Förderverein Durlesbach-Bähnle sieht im Bahnhof „Durle“ einen Erinnerungsort an die gute alte Zeit der Dampf-Eisenbahn.

 

Dazu passt auch die hier ausgestellte, von dem Bad Waldseer Unternehmer Alfons Walz gestiftete polnische Schmalspur-Dampflok. Wohl an kaum einem anderen Bahnhof ist es dem Reisenden vergönnt, eine solche Stille zu genießen. An einem Werktag ist oft keine Menschenseele zu sehen. Nur ab und zu durchbricht ein eilig durchbrausender Zug das sanfte Vogelgezwitscher. Ursprünglich war Durlesbach als Bahnhof für den Klosterort Bad Waldsee gedacht, nach dem Bau der Württembergischen Allgäubahn über Bad Waldsee nach Leutkirch verlor der Bahnhof „Durle“ rasch an Bedeutung.

Aus Richtung Ravensburg, biegt kurz dem Bahnhof Durlesbach ein Waldweg in Richtung Reute und Bad Waldsee ab, wo sich unsere Radtour fortsetzt. Im schattigen Wald windet sich der Weg einige Höhenmeter aus dem Schussental empor, über kleine verschlafene Örtchen wie Kümmerazhofen und Reute geht es weiter nach Bad Waldsee, wo wir auf den Donau-Bodensee-Radweg treffen. Ein Stückchen in Richtung Bad Wurzach, biegt dieser in Haisterkirch links in Richtung Eggmansried ab. Weiter geht es über Mühlhausen nach Eberhardzell. Nun folgt ein schweißtreibender Aufstieg auf eine Höhe von 640 Metern.

Gemütlicher Biergarten im Brauhaus Ummendorf

Gemütlicher Biergarten im Brauhaus Ummendorf

Belohnt wird dieser durch die Abfahrt in die kurz vor Biberach liegende Gemeinde Ummendorf, wo sowohl das Naturfreibad als auch der schattige Gastgarten des Bräuhaus Ummendorf mit Erfrischungen locken. Das Ziel Biberach nur noch fünf Kilometer auf sicheren Radwegen entfernt, kann man hier die eine oder andere frischgebraute Bierspezialität ausprobieren.

Tour 2: Das „Öchsle“ mit dem Rad verfolgen

Die Route des Öchsle-Radwegs führt vom Bahnhof Ochsenhausen startend größtenteils entlang der Bahnstrecke durch die malerischen Orte Reinstetten, Wennedach, Maselheim, Sulmingen, Äpfingen, Barabein und Herrlishöfen zum Öchsle-Bahnhof in Biberach-Warthausen. Wer rechtzeitig etwas vor der Abfahrt des Zuges in Ochsenhausen startet, dem gelingt es bei mittlerer Kondition mit Leichtigkeit, die Fahrt des historischen Dampfzuges vom Rad aus zu verfolgen und das „Öchsle“ bis an den Zielbahnhof zu begleiten.

Kostenloser Fahrradtransport im "Öchsle"

Kostenloser Fahrradtransport im „Öchsle“

Dort kann man das Rad für die Rückfahrt bequem in den Fahrradwagon stellen und auf dem Sommerwagen bei einem Öchsle-Bier die frische Luft und die herrliche Aussicht genießen. Dank mäßiger Steigungen lässt sich der Öchsle-Radweg in beide Richtungen leicht fahren. Die Distanz beträgt etwa 19 Kilometer.
www.oechsle-bahn.de

Kostenlose Fahrradmitnahme im Radexpress Oberschwaben

Auf den wunderschönen Nebenstrecken von Aulendorf nach Bad Wurzach und von Aulendorf nach Pfullendorf fährt an ausgewählten Sonntagen im Sommer der Radexpress Oberschwaben, welcher interessante Radrouten und Radfernwege erschließt.

In Bad Wurzach besteht Anschluss an zwei Radfernwege.

In Bad Wurzach besteht Anschluss an zwei Radfernwege.

In Bad Wurzach kreuzen sich gleich zwei Radfernwege. Es besteht die Möglichkeit, in den Oberschwaben-Allgäuweg einzusteigen (357 km Rundkurs in 8 Etappen) sowie in die Radrunde Allgäu (450 km) zu starten und dieser beispielsweise bis Neuschwanstein zu folgen. Eine Tagestour ist auf dem idyllischen Rotweg (63 km) möglich, welcher über Rot an der Rot nach Erbach bei Ulm führt.

 

In Pfullendorf besteht Gelegenheit, auf dem Radweg „Deutsche Fachwerkstraße“ (35) nach Überlingen am Bodensee zu radeln (24 km), von dort die Tour entlang dem Bodenseeradweg (3) bis Friedrichshafen fortzusetzen (31 km) und mit dem Zug zurück nach Aulendorf zu fahren, oder die Radrunde „Ausflug ins Drei-Seen-Gebiet (31 km) zu fahren. Verkehrstage Aulendorf Bad-Wurzach: jeweils Sonntags 13.07., 27.07., 10.08., 24.08., 31.08, 14.09., 28.09., 12.10., sowie Freitag, 03.10. (Tag der Deutschen Einheit) Verkehrstage Aulendorf-Pfullendorf:  jeweils Sonntags 20.07., 03.08., 17.08., 07.09., 21.09., 28.09., 05.10., 19.10., 07.12.

www.radexpress-oberschwaben.de

INFO

Literatur

Empfehlenswert sind die Infobroschüre „Radfernwege zwischen Donau und Bodensee 2014“, kostenlos erhältlich bei der Oberschwaben-Tourismus GmbH, die Infobroschüre „Radsüden“ mit Karte der Tourismus Marketing Baden Württemberg GmbH sowie das Buch „Genussradeln: Oberschwaben und Allgäu“ von Peter Rieger.

Der Radblogger

Der Radblogger ist ein neues Angebot des Urlaubslandes Baden-Württemberg. Durch die Blog-Beiträge von Radbegeisterten, die Touren persönlich erlebt haben, werden die Routen und Tipps authentischer und erlebbarer.
www.rad-blogger.de

Kontakt

Oberschwaben Tourismus GmbH
Neues Kloster 1
88427 Bad Schussenried
Telefon +49 (0) 7583 331060
info@oberschwaben-tourismus.de
www.oberschwaben-tourismus.de

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„Viaggiatori no limits“: Auf Schienen ins südlichste Sardinien

Billigflieger adieu. In den Panoramaabteilen des Bernina Express und in den nostalgischen Wagons des Trenino Verde die Bergwelt der Alpen und des Gennargentu genießen, und sich dazwischen auf der Fähre bräunen: Auch so kommt man in den sonnigen Süden Sardiniens.

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Sommer auf Sardinien. Das geht mit dem Flieger in etwa zwei Stunden. Aber mit dem Zug? Dass machen doch eigentlich nur Verrückte. Leute mit Flugangst oder Mitreisenden auf vier Pfoten. Zumal die Preise der Billigflieger weit unter einer Bahnanreise liegen. Mit meinem Freund Nico, leidenschaftlicher Eisenbahn-Fan, habe ich es dennoch gewagt. Nur etwa eineinhalb Fahrstunden südlich vom Flughafen Friedrichshafen stiegen wir an einem heißen Julimorgen in Buchs in einen Schweizer Zug, um erst zwei Tage später nachmittags in der Inselhauptstadt Cagliari im Süden Sardiniens aus einem sardischen Zug wieder auszusteigen. Dazwischen lag das Abenteuer.

Alle sind auf dem Weg zur Arbeit. Nur wir nicht. Ausgerechnet Montags brechen wir auf in Richtung Chur. Schon kurz davor biegen wir aber in Landquart links vom hektischen Treiben ab. Die Landschaft wird grüner. Die Bahnhöfe kleiner. Die Luft besser. Wir rollen durch das Prättigau, beliebt für seine Klettergärten und Klettersteige. Auch unser Zug klettert. Zunächst noch gemächlich. Auf einem Meter Spurbreite geht es mit der Rhätischen Bahn in Richtung Scuol, in Klosters biegen wir rechts hinauf nach Davos ab. 1.560 Meter über dem Meer. Dort steht er, der Zug, der uns auf der spektakulären UNESCO-Welterbe-Strecke nach Italien bringt: Der Bernina Express über St Moritz nach Tirano.

Im Bernina Express von Davos nach St Moritz

Im Bernina Express von Davos nach St Moritz

In der Landwasserschlucht folgt ein Viadukt und aufwändig in den Berg gebohrter Kehrtunnel auf den anderen. Allein bis Filisur, wo der Zug auf die Albulabahnstrecke trifft, werden 14 Tunnel und 28 Brücken passiert. So auch die 89 Meter hohe Wiesener Brücke. Wenig später durchqueren wir den Albula Tunnel. Über vier Kilometer durch Granit, und insgesamt fast sechs Kilometer lang. Kurz darauf erreichen wir St Moritz (1.775 Meter).

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„Viaggiatori no limits“: Auf Schienen ins südlichste Sardinien (4)

Wer in Cagliari ankommt und sonnige Urlaubstage verbringen will, bricht am besten an die „Costa del Sud“ auf. Der von Bergen und Meer eingerahmte Landstrich bei Teulada ist noch unversehrter als die näher an der Hauptstadt gelegenen Orte, die Strände sind natürlich und nicht überlaufen. „Viaggiatori no limits“ nehmen den Bus. Oder man leiht einen Mietwagen aus. Weiterlesen

Dünen und weißer Sand am Strand von Is Arenas Biancas

Hohe Dünen am Strand von Is Arenas Biancas

Sehr beliebt ist Portu Tramatzu mit einem schönen Campingplatz und der „Roten Insel“. Aber auch der Strand von Is Arenas Bianchas (Sabbie Bianche) ist ein echter Geheimtipp. Strahlend weisser Sand und hohe Dünen, soweit das Auge reicht. Nur im Sommer ist die etwa sechs Kilometer lange Schotterpiste durchs militärische Sperrgebiet der Nato geöffnet, um den Strand zu erreichen.

 

Segelboote, Bodyboarder und Kitesurfer tummeln sich im kristallklaren Wasser. Nirgendwo ein störender Hotelbunker. Noch etwas südlich liegt der südlichste Punkt Sardiniens, weiter westlich liegt die Insel Sant`Antioco, ein weiteres Schmuckstück Sardiniens.

Zur Abkühlung in die Berge

Zur Abwechslung kann man auch einmal die zauberhaften Berge im Hinterland erklimmen. Sportlich mit dem Mountainbike, oder motorisiert. Ein Tipp ist die Bergstrasse von Teulada nach Sebera (979 Meter über dem Meer), wo Expeditionslustige eine urwüchsige Gebirgswelt empfängt. Die asphaltierte Strasse wandelt sich weiter oben in eine Schotterpiste und windet sich in schwindelerregende Höhen. Bikes haben wir leider nicht, heute wär es auch zu heiss.

Mit der tollen Kiste auf der Schotterpiste

Mit der tollen Kiste auf der Schotterpiste

Der klapprige Panda von Nicos Papa tut es auch. Off-Road wie in alten Zeiten. An der Quelle beim Santuario Madonna del Carmelo füllt Nico alle Wasserflaschen auf. Das frische Quellwasser ist eine Wohltat. Gleich hinter der Kapelle lockt ein Spaziergang in einem zauberhaften Wald voller erfrischender Düfte von Minze und anderen Kräutern. Ein paar Kühe streifen durch den schattigen Wald.

Weiter oben erreichen wir auf einer Anhöhe eine Lichtung. Nico nimmt noch einen Schluck vom frischen Gebirgswasser. Auch Enrico ist fröhlich. Schon eine Weile hatte er nicht mehr die frische Bergluft genossen.

 

Nicht Barbados, nur Sardinien

Nicht Barbados, aber genauso schön auf Sardinien

Mit fantastischer Aussicht auf die Küsten und das Meer geniessen wir das frische Wasser und die anmutige Stille. Berge und Meer. Noch nie lag beides so nah beieinander wie auf unserer Fahrt von den Gletschern zu den Palmen, über den höchsten Eisenbahnpass der Alpen und über die Bergwelt des Gennargentu ins südlichste Sardinien. So ähnlich ist man früher gereist.

INFO

An Sardiniens „Costa del Sud“ mit Zug und Fähre

Feldkirch –Sargans–Landquart– Davos– Ospizio Bernina–Tirano –Milano – Genua – Arbatax – Mandas – Cagliari –Teulada

Allgemein
Offizielle Tourismusinformation
der autonomen Region Sardinien
www.sardegnaturismo.it/de

Anreise
Rhätische Bahn / Bernina-Express
www.rhb.ch

Trenitalia
www.trenitalia.com

Tirrenia Fähre
www.tirrenia.it/de

Trenino Verde
www.treninoverde.com

Unterkunft

Arbatax
Hotel La Vecchia Marina***
Via Praga, 1 – Arbatax
Tel. +39 0782 667020
www.hotelvecchiamarina.com

Cagliari
Antica Residenza Marina di Castello B&B
Via Roma 75 a – Cagliari
Tel. +39 070 2890477
www.bedandbreakfastcagliaricity.it

Teulada
Casa Cuccuddau B&B
Via Santa Lucia 16 –Teulada
Tel. +39 070 9271207
www.casacuccuddau.it

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„Viaggiatori no limits“: Auf Schienen ins südlichste Sardinien (3)

Mit der Fähre von Genua nach Arbatax, und mit dem kleinen grünen Zug weiter nach Cagliari…
Kurz weggedöst, ziehen plötzlich grüne Berge und hohe Felsen am Bullauge vorbei. Wir passieren die aufregende Steilküste der Ogliastra mit ihren Klippen, Grotten und dem smaragdgrünen Meer. Sa Pedra Longa, später den Strand von Santa Maria Navarese. Hier und da sticht in der Ferne ein Ausflugsschiff in See.

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Die berühmten roten Felsen von Arbatax tauchen nur wenige Momente später auf, kurz bevor wir anlegen. Die Ogliastra ist zauberhaft, es weht immer eine frische Seebrise und gerne würde man hier ein paar Wochen Urlaub verbringen. In der Hafenbar bestellen wir zwei kühle Ichnusa und erkundigen uns nach dem Hotel. „La vecchia marina?“ fragen alle verwundert, sind aber sehr hilfsbereit. Kurz darauf fährt uns Giuseppe in die Via Praga, wo wir erstmal einchecken.

Nur dreihundert Meter vom schönen Strand „Porto Frailis“ logieren wir in einem wunderschönen, preiswerten kleinen Hotel mit 21 Zimmern in einer ehemaligen Papierfabrik. Zu unserem Erstaunen erwartet uns eine kleine elegante Maisonette Wohnung mit Loggia, Minibar und WLAN. Nach einem erfrischenden Bad im Meer besichtigen wir die „Rocce Rosse“, die berühmten roten Felsen von Arbatax. Meeresluft macht hungrig. Zeit fürs Abendessen.

sardinien_anreise32Unser Hotel hat uns auch einen Geheimtipp für ein ausgezeichnetes Restaurant. Im „La Baia“ sind schon viele Tische besetzt. Nach einer herrlichen gemischten Fischplatte mit frischem Fisch und Meeresfrüchten wird uns noch ein riesiges, köstliches Steak serviert. Dazu ein Liter Hauswein um sieben Euro. Zwei ausgehungerte Reisende waren wunschlos glücklich. Und erhielten noch Ermässigung. So lässt es sich leben. Italien kann doch auch so günstig sein. Wir kommen wieder zu Kräften für den nächsten Tag. Ein weiteres Highlight steht uns bevor: Die Fahrt mit dem Trenino Verde. Wir werden die vielfach „Schönste Zuglinie der Welt“ genannte Strecke Arbatax-Mandas erleben, noch einmal hoch in die Berge fahren, und dann weiter nach Cagliari und fast bis an die südlichste Spitze Sardiniens.

Der kleine grüne Zug

Um Punkt acht Uhr steht der „kleine grüne Zug“ am Bahnhof von Arbatax zur Abfahrt bereit. Zu unserer Überraschung erwartet uns nicht ein Triebwagen, sondern wir bekommen nostalgische Wagons und eine Lok. Fast fünfeinhalb Stunden dauert die 159 Kilometer lange Fahrt auf 950 mm „Italienischer Meterspur“ durch die grandiose Berglandschaft, auf der zum höchsten Punkt in Anulu (865 Meter ü.M.) etliche Höhenmeter überwunden werden. Mit Pecorino, Landwein und Wildschweinsalami bewaffnet machen wir uns auf die Reise.

_sardinien_large_2Bis Lanusei klettern wir vorbei an Kakteen und gekitzelt von Oleandersträuchern schon auf 573 Meter über dem Meer. Etwas später durchquert der Zug einen Kehrtunnel. Kurz darauf ist auch schon Arzana (854 Meter ü.M.) erreicht, ein Ausgangspunkt in die Berge. Viele Wanderer und Biker steigen aus. Eine Mountainbike-Schule ist am Ort, welche die besten Trails kennt.

„Viaggiatori no limits“

Ein imposanter Viadukt und Tunnel folgt auf den nächsten. Blicke schweifen weit hinaus in die Bergkette des Gennargentu. Es folgen Ussassai und, umgeben von jahrhundertealten Eichen, ein Halt mitten im Grünen: Der Bergbahnhof Niala. Hier zeigt sich Sardinien von seiner grünsten Seite. Beliebt sind Wanderungen im Naturpark Montarbu, einer der landschaftlichen Schmuckstücke Sardiniens, in dem man schroffe Felswände und quellenreiche, dichte Wälder findet. Weiter geht die Fahrt zum Lago del Flumendosa, dem höchstgelegenen See Sardiniens, welchen wir über einen neugebauten Viadukt überqueren. Reste der alten eingestürzten Brücke sind noch zu sehen. Kurz darauf hält der Zug auf freier Strecke. Wieder steigen Wanderer aus. Auf einer alten Olivenpresse werden ihnen Carta da Musica (das Notenblättern nachempfundene sardische Brot), Pecorino, Speck und Cannonau gereicht.

Nun fahren nur noch wenige mit. Daher wird der folgende Abschnitt wohl etwas stiefmütterlich behandelt. Den meisten Reisenden reicht ein Tagesausflug von Arbatax in die Berge und wieder zurück. Nicos Miene verfinstert sich. Die Schienen rattern ja immer lauter. Neben den Gleisen liegen schon die neuen. Da ist aber noch Reparaturbedarf, und noch eine Stunde bis Mandas. Im Zugbegleitbüchlein steht: Die Reise über die gesamte Zugstrecke eignet sich nur für „viaggiatori no limits.“ Stimmt.

sardinien_anreise50Beinahe pünktlich rollen wir dann aber doch in Mandas ein. Noch sind wir nicht am Ziel. Jetzt sind es noch knapp 60 Kilometer bis Cagliari. Der kleine grüne Zug bringt uns dorthin. Das heisst fast. In Monserrato steigen wir in die Stadtbahn. Wir haben Cagliari erreicht. Das war ein Erlebnis fürs Leben. Dabei beginnt ja eigentlich gerade erst unser Urlaub im südlichsten Sardinien.

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„Viaggiatori no limits“: Auf Schienen ins südlichste Sardinien (2)

In St Moritz steht das nächste Hindernis an. Wir rangieren und rangieren. Denn hier, wo die eigentliche Stammstrecke der Berninabahn beginnt, wechseln sowohl die Fahrtrichtung als auch das Stromnetz. Als höchste Bahnstrecke über die Alpen verbindet der Bernina Express den Norden Europas mit dem Süden. Die Schweiz mit dem sonnigen Italien. 55 Tunnels, 196 Brücken und eine grandiose Gebirgswelt stehen uns bevor. Weiterlesen

In Celerina begegnen sich der Bernina Express und der Glacier Express aus Zermatt, und mit der Seilbahn geht es weit hinauf in die Berge. In Pontresina steigen viele Wanderer ein. Die Gegend zählt zu den schönsten Ferienregionen der Schweiz. Im Ort führt eine luftige Sesselbahn bis auf 2.330 Meter. Doch wir schaffen das auch mit dem Zug, solche Höhen zu erklimmen: Zum Ospizio Bernina, der höchsten Station der Strecke, klettert der Bernina Express auf 2.253 Meter hinauf. Vom Panoramafenster herein grüssen die Gipfel: Piz Bernina (4.049 Meter) und Piz Palü (3.905 Meter), die höchsten an der Strecke.

Viele Serpentinen ins Val Poschiavo

Viele Serpentinen ins Val Poschiavo

Ospizio Bernina. Wir haben die maximale Höhe erreicht. Anflug auf Sardinien. Auf der Alp Grüm faszinieren Blicke ins Val Poschiavo. In scharfen Serpentinen und Kehrtunnels geht es nun nach Tirano hinab. Von der Alp Grüm (2.091 Meter) rauschen wir herunter auf 429 Meter. Ankunft in Tirano zur Mittagszeit. Aussteigen und das erste tun, was man in Italien tun sollte. Einen Kaffee geniessen.

Schaufenster zum Comer See

Die Strecke von Tirano nach Milano führt uns kurze Zeit später am Ostufer des Comer Sees entlang durch etliche Tunnel mit traumhaften Blicken auf den See. Wir passieren Colico, Tartavalle Terme, Monza. Im Bahnhof von Milano darf ein Rundgang nicht ausbleiben, der imposante Bau wurde 1931 fertig gestellt. Die Strecke von Milano nach Genua ist leider weniger reizvoll und nur schwach klimatisiert. Zwei kleine gekühlte Bier vom Bistrowagen sollen uns die zwei Stunden Fahrt etwas verkürzen. „Otto euro“, fordert die robuste Norditalienerin. So hatten wir uns das nicht gedacht. Erstmals sehnen wir unsere Fähre herbei.

In See stechen nach Sardinien

In See stechen nach Sardinien

Einchecken zur Fähre, und in See stechen mit Tirrenia. Zum ersten Mal ist es für alle ersichtlich, dass unser Ziel Sardinien ist. Acht Stunden vorher in über 2.000 Metern Höhe hätte man uns wohl für verrückt erklärt, hätten wir das angegeben. Aber der Weg ist das Ziel. Die Fregula, sardische Pasta mit Meeresfrüchten, schmecken nach Mittelmeer. Unter einer roten Sonne verabschieden wir uns bei Cannonau von diesem herrlichen Tag.

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